— 262 — sextett mit dem Motto: „Qu8tsw et videts" von Eduard Lerch gingen leer aus. Dagegen wurde ein Klavierquartett mit dem Motto: „X—?" von Bernhard Scholz mit dem 2. Preis aus- gezeichnet. Und beim 2. Preisausschreiben wurde überhaupt keinem Einsender ein Preis zuerkannt. Wenn wir heute die bisher unbekannten Namen all der dama- ligen Einsender von Manuskripten an uns vorüberziehen lassen, so müssen wir sagen, daß sie meist längst der Vergessenheit anheim- gefallen sind, daß unter ihnen sich nicht wenige befanden, denen das Gebiet der Kammermusik fern lag oder die nicht die nötige handwerkliche Schulung besaßen. Wir stoßen jedoch auch auf junge Komponisten wie Waldemar von Baußnern, Georg Schumann, Felix Woyrsch, deren Namen bereits etwas galten und die vielleicht deshalb damals noch nicht recht gewürdigt wurden, weil sie der Richtung der Preisrichter ferner standen. Nebenbei darf in diesem Zusammenhang erwähnt werden, daß sich damals auch Franz Lehär um die Bedingungen des Preisausschreibens genau erkundigte. Es mochte für Rheinberger, der selbst als hervorragender Kom- ponist von Kammermusik hervorgetreten war, gewiß betrüblich sein, daß das Bonner Preisausschreiben keinen stärkeren Erfolg zeitigte und sich nicht Werke von überragender Bedeutung zum Leistungs- wettstreit gestellt hatten. Aber trotz der in vielen Fällen vergeb- lichen Mühen empfand er auch als Preisrichter keinen Augenblick Unbehagen, daß er sich in den Dienst der produktiven Jugend ge- stellt hatte, für die stets sein Herz schlug, mochte, sie auch teilweise noch nicht jene handwerkliche und künstlerische Reife erlangt haben, durch die nach seiner Anschauung ein lebendiges Kunstwerk nur entstehen konnte.
        

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