— 261 — in eine Tätigkeit des Meisters zu tun, die sich abseits der breiten Öffentlichkeit vollzog. Am 26. Juni 1897 trifft aus München Rheinbergers Zusage ein, als Preisrichter mitzuwirken: „Ihrer freundlichen Einladung folgend, bin ich gerne bereit, an dem Preisrichteramte theilzunehmen, insoferne dasselbe nur schriftliche Mitwirkung (keine Reise) bedingt." Nun wurden ihm die umfangreichen Pakete und Kisten der eingesandten Kompositionen zugeschickt, und nach einer geschäftlichen Korrespondenz ist er bereits am 26. Februar 1898 in seiner eine Unsumme von selbstloser Arbeit erfordernden Durchsicht soweit fort- geschritten, dasz er kurz melden kann: „In die engere Wahl könnten kommen: Nr. 8 (Motto: „Unver- drossen") Nonett. / Nr. 15 (Motto: „Nimm ernst die Kunst") Quintett, ein in allen 4 Sätzen preiswürdiges Werk. / Nr. 20 ,Su5tsls sl vio°ols") Streichsextett. (Alles andere minderwerthig, z.T. schlecht.) Nach meiner Ansicht kommt Nr. 15 in die engste Wahl." Auch als das Preisausschreiben ein Jahr später fortgesetzt wird, ist Rheinberger nach wie vor mit lebhaftem Interesse bei der Durchsicht. So wenn er am 14. September 1899 aus München be- richtet: „Nach meiner Ansicht verdient von den fünf vorliegenden Arbeiten nur das mit dem Motto: „Wer wagt, gewinnt" versehene Sextett inso- fern Berücksichtigung, als es zum zweiten Preis (1000 M.) vorgeschlagen werden könnte. Dasselbe ist im ersten Satz sehr gut — im zweiten und dritten etwas schwächer an Erfindung, während der letzte Satz sich wieder hebt. Für Gewährung des ersten Preises ist es nicht bedeutend genug. — Die Clarinett-Sonate und das Trio für engl. Horn, Clar. und Fagott sind gar zu harmlos und wenigsagend. — Die beiden Quintette in v sind zerfahren, styllos, zum Theil unklar und höchst 
unschön 
— nicht entfernt den Ansprüchen genügend, die man an gute Kammermusik zu machen be- rechtigt ist. 
— Dies mein Urteil nach bestem 
Wissen und Gewissen." Schon aus diesen wenigen knappen Briefäußerungen ist ersicht- lich, wie ernst Rheinberger sein Preisrichteramt nahm, und dasz er keine Mühe scheute, in kurzer Zeit bei dem ersten Ausschreiben nicht weniger als 111 und bei dem zweiten 24 eingesandte Manuskripte sorgfältig zu studieren. Mit seiner vorsichtigen Beurteilung drang er freilich nicht völlig durch. Gewiß erhielt schließlich das Streich- quintett mit dem Motto: „Nimm ernst die Kunst", als dessen Kom- ponist sich Wilhelm Berger ergab, den 1. Preis, allein das Nonett mit dem Motto: „Unverdrossen" und das Sextett „Wer wagt, ge- winnt", deren Komponist Bernhard Scholz war, sowie das Streich- 1 5
        

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