führt ein Leben für sich. Mit dem Hauptthema tritt' es'ein einziges Mal zusammen; nicht als ob an seiner kontrapunktischen Eignung — vom rein musikalischen Standpunkt gesehen — etwas mangeln würde, sondern es soll offenbar der Grundgedanke des behaglichen Humors durch die Schwüle der Chromatik weiterhin nicht gestört werden. Also keineswegs um Ausnützung kontrapunk- tischer Möglichkeiten, sondern um Erfassung der Stimmung handelt es sich für ihn, den „Formalisten" Rheinberger. Seine Musik kann man lurzweg mit zwei Attributen belegen: „vorzüglich" und „unbekannt"; das erste ist ihre Tugend, das zweite ihr Los. So erkannte es schon vor Jahren jener Abenteurer, der die närrische Idee hatte, Rheinbergersche Kompositionen Rots für Note abzuschreiben und seinen Namen als den des Autors hin- zusetzen. Wie wären die Triumphe, welche der junge Mann ohne- dies schon viele Monate hindurch — und zwar in einer Musikstadt von Bedeutung! — feiern durfte, angewachsen, hätte er auch Rhein- liergers polyphone Klaviermusik gekannt und benützt! Letzteres wäre zweifellos geschehen, aber er kannte sie ja nicht, so wenig wie jemand anderer in der Welt, und daran ist nur Rheinberger selbst schuld, der als schlechter Sachwalter seines Werkes beinahe beispiel- los in der Musikgeschichte dasteht. Nie sprach er über diese poly- phonen Werke, auch nicht den leisesten Versuch, auf sie aufmerksam zu machen, unternahm er. War es sein Heiligstes, was er für sich wahren wollte oder hielt er seine Zeit nicht für fähig zur Auf- nahme? Vielleicht wäre diese Befürchtung nicht unbegründet ge- wesen; aber die Zeiten haben sich gewandelt und die musikalische Welt, welche inzwischen durch schlimme Sümpfe zu waten hatte, blickt heute sehnsüchtig nach den Quellen I. S. Bachs. So mag auch eine Kunst, welche in ihren innigen Beziehungen zu diesen Quellen sich die Zeitlosigkeit sicherte, endlich zu ihrem Recht gelangen. Vor kurzem führte ich auf Einladung der Münchner Universität die oben besprochenen Werke und noch viele andere dem polyphonen Schaffen Rheinbergers zugehörige (darunter auch die meisterlichen Kanons op. 180 und 183) an 3 Abenden vor. Die Beteiligung war bescheiden — wohl etwas beschämend für die Rheinbergerstadt, für di, Musikstadt München. Aber der Kontakt mit dein kleinen Häuf-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.