— 234 — Wohlklang zeichnen wie die geistlichen, sodieweltlichenChor- werkedes Meisters aus. Kommt zu diesen Eigenschaften noch, daß es dem Dichter gelang, den Künstler mit seiner Poesie zu erfüllen, dann gab es „einen guten Klang". Dies ist vielleicht am meisten der Fall in der Ballade für Männerchor „Das Tal des Esvingo" (op. 50), Dichtung von Paul Heyse, in deren Orchesterbegleitung nur das Blech etwas dick aufgetragen ist. Von den vielen anderen größeren und kleineren Chorwerken gebe ich, soweit ich sie kenne, der Ballade „Klärchen auf Eberstein" (op. 97) und dem 1. Teil des „Christophorus", Legende für Soli, Chor und Orchester, op. 120 (Text von Rheinbergers Gattin), mit seinen Chören und dem schönen Terzett den Vorzug. Auch manches frische Lied für Män - nerchor hat Rheinberger gesetzt und sich gerade hiedurch in den weitesten Kreisen bekannt gemacht. In einer so universellen Tätigkeit, wie der unseres Meisters, durften natürlich dramatische Werke nicht fehlen; außer Schau- spielmusiken (zu Calderons „Wundertätigem Magus" und Raimunds „Unheilbringender Krone") schrieb Rheinberger eine romantische und eine komische Oper: „Die sieben Raben" (op. 20) und „Des Türmers Töchterlein" (op. 70). Unter allen Gebieten seines Schaffens lagen wohl hier am wenigsten die Wurzeln seiner Kraft. Das letzte Stück, an dem Rheinberger arbeitete, soll ein Credo gewesen sein; das letzte Werk, das er veröffentlichte (op. 195), ist schon vor fast 2 Jahren komponiert. Es ist eine Fuge zu 6 Themen für Orchester unter dem Titel „Akademische Ouvertüre", des Künst- lers Dank an die philosophische Fakultät der Münchner Universität für die Verleihung der Ehrendoktorwürde, mit der der Meister auf Vorschlag des Schreibers ausgezeichnet wurde. Seinen künstlerischen Nachlaß hat der Treffliche der Münchner Hof- und Staatsbibliotehk vermacht. In Rheinberger verliert nicht nur die gegenwärtige Musikwelt den hervorragendsten aller Kontrapunktlehrer, die gesamte Musikgeschichte kennt nur wenige Kräfte von ähnlicher Bedeutung. Was der Meister auf diesem Felde der Kunst für Dienste leistete, wird erst die Nachwelt voll erkennen. Das zunächst Auffälligste an Rheinbergers Lehrtätigkeit ist, daß er auf die Richtung seiner be- gabteren Schüler gar keinen Einfluß geübt hat. Er gab keinem mit.
        

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