— 227 — aber wird ein Stück von ihm aufweisen können, das musikalisch stillos genannt werden könnte. Und das meiste, was ihm von außen zukam, hat in seiner Persönlichkeit die individuellste Umprägung empfangen und ist als ein selbständig Neues aus ihm wieder her- vorgegangen. Vergleichende Urteile setzen mit Recht zunächst bei thematischen und motivischen Reminiszenzen ein. An ihnen ist bei Rheinberger so wenig Mangel, wie bei anderen namhaften Meistern, vom 17. Jahrhundert und früher angefangen bis auf den heutigen Tag. Direkte Anklänge solcher Art finden sich besonders an Beethoven in den beiden Sinfonien (op. 10 und 87), an Schubert.an außer- ordentlich vielen Stellen, an Mendelssohn mehrfach, so im 1. Satz seines Streichquintetts, op. 82. Daran ist künstlerisch natürlich nicht viel gelegen. Verwerflich ist nur die Reminiszenz der Stimmung. Wer keine selbständige Stimmung musikalisch hervorzurufen die Kraft hat, der hat den Namen eines originellen Künstlers verwirkt. Selbständige Stimmungen herrschen aber in den meisten Jnstru- mentalwerken des Meisters. Sie sind nicht sehr vielseitig unter- einander, auch an Reiz qualitativ verschieden; aber sie geben unsrer Seele neuen Stoff, schenken in ihrer stärksten Ausprägung Anre- gungen beruhigender und beglückender Art. Ich glaube das Richtige zu treffen, wenn ich als den wichtigsten dieser spezifisch Rheinber- gerschen Stimmungskomplexe hervorhebe: Beschaulichkeit, milde Wärme, schlichte, männlich-innige Empfindungen. Diese Weisen decken sich, wie es ja nicht anders sein kann, auch am meisten mit seinem persönlichen Wesen. Wo sich Rheinberger dieser Art beson- ders hingibt, zum Beispiel im ^claZio seines Quartetts op. 89, dem seiner 2. Sinfonie (op. 87) und-in der Welt so vieler seiner zweiten Themen in den Sonatensätzen aller Art, erscheinen mir immer wieder die freundlichen weiten Täler seiner Heimat vor Augen, von warmer Frühsommersonne bestrahlt. Das Erschaute festzuhalten und es der Mitwelt zu überliefern, hiefür stand Rheinberger jegliches Rüstzeug der Kunst willig zur Verfügung. Daß es ihm an sich möglich gewesen wäre, sich auch der erweiterten Mittel des modernen Orchesters zu bedienen, kann kein Zweifel sein. Allein er hatte keine starke koloristische Ader und wollte diese prachvolle Palette nur wenig nützen, wie ihm auch die Würze unsrer modernen Harmonik allzu scharf und übertrieben erschien, so
        

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