— 217 — Rheinbergers RirchenmusiK Von Josef Renner jun. (Teilnachdruck des Artikels „Kirchenmusikalische Charakterköpfe" aus der 
Zeit- schrift .^usics v!vins", Heft 3/1923, mit freundlicher Erlaubnis der Universal- Edition. Wien.) Joseph Rheinberger entfaltete neben den verschiedenen Be- rufstätigkeiten noch eine staunenswerte Produktivität auf allen Ge- bieten des musikalischen Schaffens. Hatte er auch im Bereich der Oper, der Sinfonie, der Kammermusik, des Sololiedes schon schöne Erfolge zu verzeichnen, finden wir auch unter seinen vielgesungenen Männer- und gemischten Chören manch duftige Blüte echtester Lyrik, so sollte ihm nachhaltiger Ruhm doch vor allem erst auf 2 für sein Lebenswerk besonders charakteristischen Gebieten erstehen, den Ge- bieten der Orgelkomposition und der katholischen Kir- chenmusik. Das Feld, auf dem Rheinberger zuerst unbestrittene Erfolge erblühten, war die Orgelkomposition. Seine beiden Orgelkonzerte, seine 20 Sonaten und seine vielen übrigen lyrischen Stücke bilden einen Markstein in der Entwicklung der Orgelliteratur und wirkten befruchtend auf die jüngere Generation der Orgelkomponisten. Mit jedem dieser Werke in fortschreitender Entwicklung immer eigen- artiger in der Melodik, kühner in der Harmonik, stellt Rheinberger besonders in den Ecktürmen seiner Konzerte und Sonaten Prunk- stücke kontrapunktischer Meisterschaft hin, die — trotz allem, was nachgekommen ist — für immer zum Besten zählen werden, was auf diesem Gebiet geschaffen wurde. Mögen spätere Meister noch kühner, noch schroffer und komplizierter in harmonischer und rhyth- mischer Beziehung geworden sein, die Schubertsche Innigkeit seiner Melodik, die Bachsche Großartigkeit seiner gewaltigen Fugen — das Ergebnis staunenerregender kontrapunktischer Gewandtheit und frischquellender Erfindung — vermissen wir bei den meisten Jün- gern. Daß ein Meister von so inniger, glaubensstarker Frömmigkeit
        

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