^ 204 — berger, der damals Anfang 50 war; dann Professor Buhmeyer, Josef Eiehrl und noch mehrere andere. Ich spielte mir nicht mehr erinnerliche Stücke, wahrscheinlich Bach, und erbot mich, über irgend ein Thema oder ein selbst erfundenes Thema zu improvisieren. Davon wollte aber Bufzmeyer nichts wissen! „Improvisieren ver- dirbt den musikalischen Charakter, das ist Dilettantismus", sagte er. Da fiel ihm Rheinberger sehr energisch ins Wort und sprach mit seiner behaglichen, leicht vorarlbergischen Stimme; „Ha, lasset doch das Büeble spielen, was es will". Diese heimatlichen Töne gaben mir Mut und ich improvisierte fröhlich drauflos. Da mir damals schon das Improvisieren eine ebenso leichte wie angenehme Be- schäftigung war, war es nicht schwierig, auch die Skeptiker unter den gestrengen Herren von meiner Würdigung zu überzeugen, daß ich als Elfjähriger in diese geheiligten Hallen einziehen durfte. Ich kam als Klavierspieler zu Vuhmeyer, mit dem aber nie ein besonders inniges Verhältnis erblühte. Rheinberger selbst nahm mich auf Grund meiner vorgelegten Kompositionen in seine Kontra- punktklasse auf, wo ich allerdings in den ersten Wochen einen schwe- ren Stand hatte, da mir das Lesen der alten Schlüssel unbekannt war. Rheinberger setzte mich neben sich, dicht bei der Tafel am Ende eines langen Tisches, und nun wurden Woche für Woche zweimal je 2 Stunden lang Ontus-kirmu8-llbungen getrieben, die bis zum Frühjahr einen dicken Band füllten, den ich noch heute ab und zu mit respektvoller Erinnerung ansehe. Ein ebenso schöner Tag wie bei meinem Eintritt in die Aka- demie war der letzte Tag vor der Abreise aus München. Ich war um 5 Uhr zu Rheinberger in seine Wohnung 
bestellt — ich stieg die steile Treppe seiner Wohnung in der Fürstenstrasze in die Höhe, läutete, und Rheinberger kam und lieh mich ein. Er war nicht allein, trotzdem sagte er aber, ich solle ihm nur vorspielen, was ich ihm zum Abschied mitgebracht hätte. Es war ein kleines Klavierstück von wenigen Seiten, das mich heute noch an diese Stunden erinnert. Ich werde nie vergessen, in welch herzlicher und bei allem Abstand fast kollegialer Weise er den inzwischen zwölfjährigen Jungen be- handelte. Mit noch schwererem Herzen trennte ich mich von dem Meister als ich ihn ein halbes Jahr vorher aufgesucht hatte. 6 Jahre später besuchte ich ihn wieder, um ihm eine Sonate für Klavier vorzuspielen. Das Komponieren von Klaviersonaten gras-
        

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