— 198 — heiten manchmal hervortraten, ließ das den Künstler nur noch sympathischer erscheinen, denn jedes großartige Getue und, wie man bei uns sagt, „Aufdrahn" lag ihm vollständig ferne. Ich habe die Erinnerung und den Dank für alles, was ich durch ihn erworben habe, zum Ausdruck zu bringen versucht durch die Widmung meiner Orgelstücke (Kanons) op. 77. Rsrl Maria pembaur Rheinberger hatte damals (1896) sein feststehendes Lehrschema. Es gab keine Seitenwege, nur ein einheitliches Vorgehen. Begrün- det war dies in seiner Einstellung dem „Fortschritt" der Musik gegenüber, seiner Überzeugung, dasz man erst gehen lernen müsse, ehe man Sprünge machen könne, dasz sich Freiheiten erst in der Reife entwickeln dürfen, vielleicht auch begründet im jahrelangen Unterricht. Er war in erster Linie Lehrer seiner Grundsätze, hielt des- wegen auch mehr von Privatarbeiten, die mit dem Gelehrten im Zusammenhange waren. Brachte einer eine „sinfonische Dichtung" (über deren künstlerische Berechtigung er als klassizistisch gebildeter Komponist sowieso nicht gut zu sprechen war), sagte er: „Schreiben Sie lieber einen vierstimmigen Chor!" Wer nach seinem Sinn etwas konnte und sich einordnete, hat bleibende Werte nicht nur kontrapunktisch, sondern auch an Charakterklarheit geerntet. Er war vornehm in Wort und Haltung, freundlich, kurz in seiner Rede, liebenswürdiger zu den Begabten und Fleißigen, die denn auch öfter an die Aufgabentafel kamen wie die andern, die schließlich nur nachschrieben. über Zeitgenossen sprach er sich nie aus. Seine Orgelwerke waren damals weitverbreitet und werden ihre Geltung behalten. Hatte er ein neues Werk ediert, brachte er es mit in die Orgelstunde. Mir ist das Bild Rheinbergers noch gegenwärtig. Ein in sich geschlossener Charakter, voll Ehrfurcht vor Gott und der Kunst, ein vornehmer Verteidiger seiner Anschauungen, ein großer Könner und Lehrmeister, ein Erzieher fürs Leben, freilich nur für diejenigen „bonae voluntstis".
        

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