— 188 — andern Orten. Wagner, Liszt und der als Komponist noch stark umkämpfte Richard Strauß waren die Götter der Jungen, beson- ders derjenigen unter ihnen, denen es an der tiefern Einsicht ge- brach und die im Neuen nichts anderes sahen oder sehen wollten als den langersehnten Bruch mit allem hergebrachten Zwang, das Morgenrot ungehemmtester Freiheit in der maßlosen Verwendung unbegrenzter Mittel und des zügellosesten Schwelgens im Klang- lichen, womit man die eigene innere Leere verdecken zu tonnen glaubte. Daß Rheinberger die Wagnerschen Musikdramen aus in- nerer Überzeugung ablehnte, wußte man ebensowohl, wie man von ihm ein Eingehen auf Richard Strauß nicht verlangen konnte. Da lagen unüberwindliche Hindernisse in der ganzen eigenen Entwick- lung, im Persönlichen, Künstlerischen und Weltanschaulichen be- gründet, dazwischen! Aber zur Ehre des Meisters und in Anerken- nung seiner überaus noblen und ritterlichen Natur sei gesagt, daß gehässige oder abschätzige Bemerkungen, wie man sie von andern Lehrern der Akademie in oft recht bajuvarischer Art mehr als genug hören konnte, bei ihm nicht vorkamen. Sagte er etwa in der Jn- strumentationslehre bei der Behandlung des Schlagzeuges, daß „in neuester Zeit auch der Amboß zum Musikinstrument geworden sei"̂ oder bezeichnete er Lieder im Sprechgesang mit recht überladener Begleitung als „Klavieretüden mit Deklamationsbegleitung", so wußte man wohl, wohin er zielte — aber welcher Gelehrte oder Künstler leistet sich nicht gern ab und zu einen Witz auf Kosten seiner lieben Kollegen! Und zu allem wußte man, daß Rheinberger neben Max Zenger einer der ganz Wenigen war, die sich von der frühern „Münchner Musikschule" zur „Akademie" durchgerungen hatten und uns Studierende nicht mehr als Schulkinder behandel- ten. Unter Rheinbergers lächelndem Auge geschah sogar das Uner- hörte, daß man das Haus durch die „Damentreppe" verließ, statt sich, den Unterricht in einer ganzen Flucht von Lehrzimmern stö- rend, züchtig wie's vorgeschrieben war, nach der im andern Flügel liegenden „Herrentreppe" zu begeben! Rheinberger als Lehrer genossen zu haben, bedeutete für jeden seiner Schüler unverlierbaren Gewinn. Mögen Manche seiner Kom- positionen, als einer andern Geschmacksrichtung angehörend, heut« nicht mehr in dem ihnen gebührenden Maße gewürdigt werden — ohne seine Orgelwerke wird man auch in aller Zukunft weder im
        

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