— 185 — Aus meiner StudienMt bei Joseph Nheinberger in München Von Carl Vogler Es war im Frühherbst 1895, als ich nach 2i/2jährigem Studium an der Musikschule Zürich meine erste Auslandsreise antrat. Das Ziel war Deutschland, noch unbestimmt aber blieb der Ort. Doch standen München und Köln im Vordergrund; München, weil Joseph Rheinberger dort unterrichtete, Köln bot als Anziehungspunkt das von Franz Wüllner geleitete Konservatorium^ An beiden Orten wußte ich mich für das Studium meiner Spezialfächer, Orgel und Theorie, gut aufgehoben; in München auf alle Fälle, wenn ich von Rheinberger als Schüler angenommen wurde. Für den Theorie- unterricht wenigstens schien es im Bereiche der Möglichkeit zu liegen, denn ich hatte den größten Teil meiner Vorstudien bei Lothar Kempter sen. genossen, der, von Rheinberger ausschließlich ausge- bildet, seine Schüler vortrefflich für dessen Unterricht vorzubilden wußte. Eine Garantie besaß man immerhin nicht, am allerwenigsten im Orgelunterricht, denn der Zudrang war dort besonders groß, und Rheinberger pflegte stets nur 4 Schüler mit wöchentlich 2 ge- meinsamen Stunden anzunehmen bzw. bei Schüleraustritten die Klasse jeweils wieder auf 4 Schüler zu ergänzen. Die Dinge lagen aber auch da im Herbst 1895 insofern günstig, als vom vorigen Jahr nur Josef Pembaur noch in der Klasse war, sodaß für 3 Neueintre- tende Platz blieb. Die Aufnahmeprüfung vollzog sich in Gegenwart sämtlicher 18 Bewerber und das „Lampenfieber" war daher mächtig, als ich den ersten Satz aus Rheinbergers Ves-Dur-Sonate vorzutragen be- gann. Kaum hatte ich auch recht zu spielen angefangen, lag schon des Meisters Hand auf meinem linken Unterarm, und ich glaube heute noch die von Neulingen so sehr zu Unrecht als bissig gefürchtete Stimme zu hören, womit ich mich mit der Bemerkung „schon gut" als endgültig Abgelehnten wähnte und mich mit hängendem Kopf bereits auf der Weiterfahrt nach Köln sah. Vorsorglich hatte ich auch meine Habseligkeiten noch nicht völlig ausgepackt. Doch kam alles
        

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