— 180 — Teil der Korrespondenz ab und führte ein genaues thematisches Ver- zeichnis seiner sämtlichen Werke. Unter dem Titel.Aus der Heimat' hat sie auch die Jugend Rheinbergers reizvoll geschildert. Fräulein Emma Rheinberger hat mir die Lektüre der liebenswürdigen Hand- schrift freundlichst ermöglicht. Es sei gestattet, noch einen kurzen Auszug aus einem der Briefe von Frau Rheinberger an mich beizufügen, da er ein treffendes Ur- teil über Rheinberger enthält und zugleich das schönste Zeugnis für beide Gatten bildet: ,Sie können sich denken, wie sehr es mich freut, daß Sie sich durch das Studium Rheinbergerscher Kompositionen angezogen fühlen, nicht nur um seines Ruhmes' in Amerika willen, sondern weil ich aus Erfahrung weiß, daß man sich seelisch in guter Gesellschaft befindet, wenn man seine Kompositionen spielt oder hört. Auch sind dieselben durchaus in Harmonie mit seinem eigenen We- sen; man kann daher ihn und seine Werke auf gleiche Stufe stellen. Denken Sie nicht, lieber Freund, daß ich dadurch, daß ich seine Frau bin, einseitig über ihn denke. Seit 31 Jahren kenne ich ihn, seit dieser Zeit beobachte ich ihn mit Verstand und Herz und habe nie — in nichts auch nur die geringste Enttäuschung an ihm erlebt, aber sehr viel durch seinen würdevollen Charakter gelernt.' Nachdem im Dezember 1892 der Tod Rheinberger die treue Gefährtin entrissen hatte, schrieb er mir: ,So wird das Leben immer ernster und schließ- lich wundert man sich, daß man einstens fröhlich war'. Seit dieser Zeit hat sich der Meister noch mehr von der Öffent- lichkeit zurückgezogen, um so mehr, als auch körperliche Leiden sich immer mehr fühlbar machten. Mit bewundernswerter Gewissen- haftigkeit und strengem Ernst erteilt er aber noch Unterricht, und seine Schüler, die aus allen musikalischen Ländern des Erdballs stammen, verstehen oft erst nach dem Verlassen der Schule den Wert seiner Lehren recht zu würdigen. Selbst wenn sie auf andere Bahnen als er selbst geraten sollten, müssen sie sich doch darüber klar werden, daß man schwerlich eine solidere kompositorische Grundlage als bei Rheinberger erringen kann. Bach und Mozart sind seine Lieblinge, und bei Besprechung ihrer Werke gerät der sonst in den Unterrichts- stunden kühle Mann in förmlichen Enthusiasmus und preist in den wärmsten Worten ihre Vorzüge. Außerhalb der Schule ist der Meister von gewinnender Freund- lichkeit und bleibt seinen Schülern ein wohlgesinnter Freund.
        

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