— 161 — „Christophorus — Christusträger — Sei gegrüht! Willkommen im himmlischen Reich, Willkommen!" traten vielen der Mitwirkenden Tränen in die Augen und tiefe Ergriffenheit bemächtigte sich aller. Ich, der an den Pauken sah, weinte bitterlich. Bekümmert dachte ich der Zukunft. Was würde sein, wenn ich diesen hochverehrten Gönner, dem ich die ersten glück- lichen Jahre nach einer schweren, sorgenvollen Jugend verdankte, so bald wieder verlieren sollte? Als er sich nach jener Probe, in der er mir zur Tuba verholfen hatte, verabschiedete, nahm er mich beiseite und sagte mir, dah ich abends den Beginn der Aufführung (meine Komposition stand am Anfang des Programms) nicht verzögern solle, denn es sei nicht wahrscheinlich, dah er kommen könne. Angesichts meiner Enttäuschung fuhr er tröstend fort: „Das darf Ihnen nichts bedeuten. Denken Sie nur daran, wie selten ein junger Tonsetzer das Glück hat, sein Werk aufführen und persönlich leiten zu können. Sie haben ein weiches Gemüt — werden Sie hart, wie es das Leben nun einmal ist — und wenn Sie Rates bedürfen, lassen Sie sich bei mir sehen; jedenfalls aber noch einmal vor Ihrer Abreise"-«. Meine Komposition war also das letzte Orchesterstück, welches der Meister angehört hat, und dessen Partitur, die neben den Tagebüchern im Heimatarchiv von Vaduz Platz finden soll, die l etz t e, die er nach 46jähriger Lehrtätigkeit korrigierte. Die Akademie der Tonkunst veranstaltete einen Monat nach Rhein- bergers Tod eine Gedächtnisfeier mit einer Folge seiner schönsten Werke. In der „Münchner Allgemeinen Zeitung" vom 26. November 1961 aber war zu lesen: „Ein Stern ist erloschen... Rheinberger ist nicht mehr. Feuchten Auges blicken wir ihm nach, der edlen, männlichen Gestalt dieses herrlichen Menschen und Künstlers und grollen dem Geschick, das ihn so früh von uns hinweggeführt. Aber uns ist er nicht gestorben." 2»i. Rheinberger hatte mich an das Konservatorium in 
Athen, dessen Direktor sein Schuler gewesen war, empfohlen. Als eine vereinbarte Kaulion nicht rechtzeitig eintraf, riet er mir wieder ab, hinzugehen.
        

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