— 160 — danken haben und deshalb wohl den angehenden Bühnensternen nicht allzufreundlich gegenüberstehen. (Auch komponierte er selbst.) Als es mir gelang, den wiederum mehrere Jahre nacheinander von den Eesangstudierenden eingeheimsten Ehrenpreis wieder für die Komponisten zu buchen, bezeugte von Perfall große Freude und be- dankte sich bei mir, weil ich dem „blamablen Zustand" ein Ende gemacht hätte. Später erfuhr ich allerdings, daß ich das Rennen nur knapp gewonnen hatte. Rheinberger schwankte, ob er sich für mich oder meinen fleißigen, begabten Kollegen Höfer entscheiden sollte. Kurz vor der ausschlaggebenden Sitzung rief er uns beide nochmals an die Tafel und stellte uns eine nicht eben leichte Auf- gabe, deren Lösung, wie er sagte, „Sache des guten Geschmacks sei". Das Glück war mir mehr gewogen als meinem von mir sehr geschätzten Kameraden. Er hat dem Meister nichts nachgetragen und ihm Treue bewahrt, in der Erkenntnis, daß der Meister außerstande war, gegen sein Gerechtigkeitsgefühl und seine Überzeugung zu han- deln, wie gern er auch überall geholfen hätte. Ich komme zum Schluß meiner Ausführungen. Das Schuljahr ging zu Ende. Die Direktion hatte, in Kenntnis der Rllcktritts- absichten Rheinbergers für das Schlußkonzert die Aufführung seines „Christophorus", Legende für Soli, Chor und Orchester, angeordnet. In den Proben wurde mit besonderem Eifer gearbeitet, um dem wirklich „all"verehrten Meister mit einer befriedigenden Auf- führung Freude zu machen. Der Konzertabend, es war der 12. Juli 1901, kam. Prominente Schüler: H. K. Schmid mit dem Händelschen Orgelkonzert K-Dur, Nikolaus Koulukis (Athen) mit Mozarts Andante für Flöte und die liebliche, ausgezeichnete Geigerin Bert« Zollitsch mit Larghetto und Rondo des Beethovenschen Violinkonzerts hatten den ersten Teil des Programms bestritten und beendet. Rheinberger aber war noch nicht erschienen. Sein Stuhl blieb auch leer, als wir nach gespannter Erwartung die Pause beenden und mit dem Vorspiel beginnen mußten. Nun wußten wir alle: Es mußte schlimm stehen. Als im überwältigend schönen Schlußchor des Werkes die Worte erklangen:
        

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