— 158 — „wichtigen Jnstrumentengruppe" (seine eigenen Worte) eindring- lich hingewiesen. Ich selbst hatte in einem Sinfoniesatz ziemlich schweres Geschütz aufgefahren und die Tuba, wie Rheinberger bemerkte, in ihrer „un- möglichsten Tiefe" reichlich verwendet. Das Stück wurde von ihm zur Aufführung vorgeschlagen. Die Lehrer hatte er in einer Sitzung ersucht, die Stimmen mit den Schülern sorgfältig einzuüben, „da die Komposition nicht auf der Landstraße liege". Unser Schulorchester war gut und stark besetzt. Einen Tuba- bläser aber hatten wir nicht; dieser wurde bei Bedarf aus dem Hoforchester bestellt. Der zweite Direktor der Anstalt, mir wegen einer kleinen „Meuterei" nicht mehr besonders gewogen, verwei- gerte nun die Bestellung der von ihm für diese einzige „Piece" als zu kostspielig befundenen Aushilfe. Gekränkt fügte ich mich ins „Unvermeidliche". Ganz unerwartet erschien dann Rheinberger bei der Hauptprobe, obwohl er bereits keinen Unterricht mehr gab. Alsbald hatte er das Fehlen des „vierten Mannes" in der Posaunenecke entdeckt. Als ich ihm auf Befragen den Sachverhalt mitteilte, kam es zwischen ihm und dem die Probe überwachenden obengenannten Direktor, seinem geschätzten Freund und ehemaligen Schüler, zu einer kleinen Auseinandersetzung, die Rheinberger mit den Worten beendete: „Und ich bitte dich trotzdem, lieber Hans, die Tuba zu bestellen, denn, was bei Berlioz recht ist, soll ihm (ge- meint war ich) billig sein." Im vorhergehenden Konzert war nämlich dessen „Vehmrichter- Ouvertllre" auch als einzige Nummer fürgroßesOrchester aufgeführt worden, selbstverständlich in unverminderter Besetzung. Das war dem Gedächtnis des Meisters nicht entgangen, und so kam auch ich zu meiner Tuba. Was bleibt von.der Posaunenfeindlichkeit Rheinbergers nun noch übrig? Aber auch Vorwürfe ernsterer Art wurden gegen den Meister erhoben. So hat ein ehemaliger Schüler, Karl Eleitz, aus Hitzerode gebürtig und 1883/84 in München studierend, in einer polemischen Schrift „Künstlers Erdenwallen" sich zur Behauptung verstiegen: Rheinberger habe die Auslandsschüler zum Nachteilder üb- rigen bevorzugt. Aus den Tagebüchern ist ersichtlich, daß Eleitz
        

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