— 140 — Joseph Rheinberger - der große Lehrer, Wensch und Freund Von Musikdirektor Josef Schmid Rheinberger — der große Lehrer des Kontrapunktes — so ist er für alle Zeiten als „Unvergänglicher" in der Geschichte der Musik verankert! Eine Legion von Schülern aus aller Herren Ländern dankt laut ihr Können wie Bestehen dem kritischen Weltforum gegenüber diesem wahrhaften Meister der Satzkunst. Seine geradezu märchenhafte Unbeirrbarkeit in musikalischen Dingen, sein seltener, feiner, zum Sarkasmus neigender Witz, wie die Vornehmheit seiner Gesinnung stempelten ihn zu einer Persön- lichkeit außergewöhnlichen Formates; einen „Typ", den man am richtigsten als „einprägsam fürs ganze Leben" bezeichnen möchte. Unbeugsam betreffend Disziplin in jeder Form, verschloß er sich doch keineswegs moderneren Regungen, wie sie uns Schülern, im übrigen wohl jedwelchen Lernenden eigentümlich sind. Und schoß bei uns Schülern etwas zu sehr in die Halme, so meinte er mit iro- nischem Lächeln: „So lange Sie bei mir sind, sollten Sie tun, was ich meine; später das, was Sie für gut finden!" Traf er aber bei seinen früheren Lehrlingen auf wirklich Gutes, Vorausschauendes, so war er hochzufrieden mit der Bemerkung: „Sehr schön, wenn auch ziemlich modern. Doch bin ich eben der Alte und Sie der Zunge! Und darum ist's recht so!" Jedenfalls kann von einer „Verknöcherung", die man unserem Meister auch heute noch so gerne andichtet, keine Rede sein. Freilich konnte er sich mit gar manchen Dingen, die sich um ihn taten, inner- lich nicht befreunden; doch konnte kein Mensch ihn hierüber aus- forschen. Sein Takt war sprichwörtlich und somit jeder geplanten Attacke, Meinungsäußerungen sozusagen herauszufordern, a priori der Boden entzogen. Dieser inneren Disziplin entsprach auch die Systematik, der ganze Aufbau des Unterrichtes. „Zn allem exakt!" Sauberkeit in allen Dingen. Nicht zuletzt betreffend Notenschrift. Bei jeder Stunde mußten die Reinschriften vorgelegt werden, wobei ihm — bei seinem
        

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