— 135 — Meister Joseph Rheinberger - ein Retter der absoluten Musik Von Professor Emile Rupp Im Spätherbst des Jahres 1893 verließ ich nach vierjährigem Aufenthalt das „städtische" Konservatorium zu Straßburg, wo ich mich speziell im Orgelspiel ausgebildet hatte. Der vorzügliche Theo- rieunterricht wurde durch einen früheren Absolventen der König- lichen Akademie der Tonkunst in München und Schüler Joseph Rheinbergers Professor Carl Somborn erteilt. (Somborn war Rhein- länder und zog sich nach dem Weltkrieg nach München zurück.) Das Stadttheater Straßburg gab damals unter Wilhelm Bruch vorzügliche Wagner-Vorstellungen; in der benachbarten badischen Residenzstadt Karlsruhe waren die von Felix Mottl geleiteten Kon- zerte des Hoforchesters ein gewattiger Magnet, der uns „modern" eingestellte Straßburger Konservatoristen in seinen Bannkreis zog. Mottl pflegte in hervorragender Weise die dramatischen und Orche- sterwerke von Hektor Berlioz, der damals in Straßburg auf dem Index der das Musikleben dirigierenden preußischen Eeheimräte und Professoren stand! Der Zaubertrank der beiden größten Roman- tiker wirkte verhängnisvoll auf das leicht entzündbare Gemüt der musikstudierenden Jugend; viele von ihnen wurden ihrem Spezial- instrument untreu und wandten sich der dornenvollen Dirigenten- laufbahn zu. Auch ich gehörte zu den Berückten; ein mehrwöchentlicher Auf- enthalt in dem hyperkonservativen Leipzig trieb mich vollends dem Modernismus in die Arme; ich sagte vorläufig der Orgel Valet! Und als kurz darauf aus den Proszeniumtiefen des Münchener Opernhauses die 12 Kontrabässe des Hoforchesters unter Hermann Levis Zauberstab das Kontra-Ls des „Rheingold"-Vorspiels an- stimmten, glaubte ich mich dem Ziel meiner Sehnsucht nah! Am nächsten Vormittag kam freilich eine Ernüchterung: die Aufnahme- prüfung als Studierender der Königlichen Akademie der Tonkunst. Ich belegte zwei Hauptfächer: einen Doppelkurs für einfachen und doppelten Kontrapunkt sowie Formenlehre und Orchesterkunde bei
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.