— 123 — Rheinberger hat noch nie eine „Partei" geworben, gegen seine Werke herrscht eine große Voreingenommenheit, obwohl man sie nur un- genau oder gar nicht kennt. Sicher wird die Zeit kommen, da man Musik, wie er sie geschrieben, wieder zu Ehren zieht. Ein von Professor August Schmid-Lindner in seinen „Erinne- rungen an Joseph Rheinberger"' mitgeteilter Vorfall, der der musi- kalischen Welt zu denken geben sollte, sei noch erwähnt: „Einige Jahre nach Rheinbergers Tode tauchte in Wien ein ruhmsüchtiger junger Mann auf, der es zweckmäßig fand, Werke von Rheinberger Note für Note abzuschreiben und keckhin mit seinem Namen zu ver- sehen. Mag die überspitzte Eitelkeit, die hier leitete, als geistige Abnormität berühren, so lag der Handlung doch tiefe Sachkenntnis, ja ein gewisses Raffinement zugrunde, in der Art, wie die unbeach- teten, wertvollen Erzeugnisse eines verstorbenen Autors, der sti l seine Bahn gewandelt war, für welchen niemals eine Partei agitie t hatte, zum Gegenstand des Raubes ausersehen wurden. Nur der Reklametrommel — die der junge Mann trefflich zu bedienen ver- stand — bedürfte es und der Sieg mußte gesichert sein. Die Rechnung war tadellos und die Werke Rheinbergers, unter neuem Firmen- schild dargeboten und von kräftiger Werbung getragen, hatten einen Bombenerfolg, wie ihn der bescheidene Autor sich nie hätte träumen können und wie er ihn natürlich zu Lebzeiten in dieser Stadt nie- mals gehabt hatte. Viele Monate hindurch dauerte der Rausch des Erfolges, bis der Schwindel entdeckt wurde." Leider hat das Pu- blikum daraus keine Lehre gezogen. Rheinberger vergaß seine Heimat nie. Immer kehrte er gern zu ihr zurück und sein Herzenswunsch war es gewesen, einst in ihrer teuren Erde die letzte Ruhe zu finden. Nur auf ausdrücklichen Wunsch seiner Gattin erwarb er auf dem südlichen Friedhof in München eine Grabstätte, wo er nach seinem am 25. November 1901 erfolgten Tode neben ihr beigesetzt wurde. Wir ehren in Joseph Rheinberger den guten, edlen Menschen, den begnadeten Künstler und den großen Liechtensteiner. 1. Zeitschrift für Musik, 1338, Januarheft. 7 *
        

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