— 120 — durchgestöbert — .bleib bei uns, denn es will Abend werden' — wie es mir damals möglich war, diese Motette zu schreiben, begreife ich heute nicht — habe seit diesem Iugendwerk nichts Besseres geschrie- ben." Einen groszen Erfolg brachte ihm die Aufführung seiner ersten (Jugend-) Sinfonie im Jahre 1855. 1859 wurde Rheinberger als Lehrer für Klavierspiel ans Kon- servatorium berufen, ein Jahr später rückte er zum Kompositions- lehrer vor. 1864 übernahm er die künstlerische Leitung des Orato- rienvereins und war, wie aus den Aufführungsverzeichnissen her- vorgeht, bestrebt, die Münchner besonders mit den Oratorien E. F. Händels bekanntzumachen. Die Tätigkeit als Solorepetitor am Kö- niglichen Hoftheater in den Jahren 1865,67 machte ihn mit dem Theaterbetrieb vertraut und regte ihn zur Komposition von Opern an. Damals war aber gerade der Kampf zwischen den Anhängern der konservativen Richtung in der Musik und den Fürsprechern der Musik Richard Wagners entbrannt. So brachte diese Zeit für Rhein- berger, der sein Ideal in den Werken Mozarts und der andern Wiener Klassiker sah, manches Unliebsame, und gern nahm er die Berufung als Königlicher Professor und Inspektor an die neu- errichtete Musikschule im Jahre 1867 an. Die Lehrtätigkeit sagte Rheinberger viel mehr zu, als das be- wegte Theaterleben. Hier war er, der geborene Pädagoge, in seinem ureigensten Gebiet. Als Kontrapunktlehrer wurde er weltberühmt, und bis zu seinem Rücktritt von der Akademie der Tonkunst im Oktober 1901 hat er gegen 600 Schüler aus aller Welt zu tüchtigen Musikern herangebildet, wovon sich viele einen Namen machten und sich stets ihres Lehrers dankbar erinnerten und erinnern, wofür auch diese Eedenkschrift zeugt. Hans von Bülow nannte Rheinberger den ersten Kontrapunktisten und Lehrer Deutschlands. Und in der Tat, Rheinberger ist einer der größten Kontravunktisten, die je gelebt haben. „Seine Schüler gaben ihm den Scherznamen .Fugensepperl' und erzählten sich Wunderdinge von seinen kombinatorischen Fähig- keiten." Auch sein vieljähriges Leiden hat zu seiner vollendeten Beherrschung des Kontrapunktes beigetragen. „Dem Meister wurde der Kontrapunkt ein wunderbares Mittel, sich über den Zwang des Körperlichen zu erheben: ein Symbol seines Lebens", so äußert sich treffend Th. Kroyer in seiner ausgezeichneten Rheinberger- Biographie.
        

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