— 118 - hang stehen dürfte, und Lehrer Pöhly berichtet, daß der Vater beim Musikunterricht des Knaben immer zugegen war. Unseres Meisters Verschlossenheit, Wortkargheit und Arbeitsfreudigkeit sowie die ge- wisse Großzügigkeit wiesen auf sein alemannisches Blut hin. „Rheinberger war gut mittelgroß, trug einen braunen Vollbart, der nach unten spitz endete. Seine Züge waren von edler Bildung, Stirne und Schädel von ausgesprochen interessanten Formen, die Nase kühn gebogen. Seine klugen, forschenden, lichten Augen konnten manchmal sehr liebenswürdig und heiter durch die scharfe Brille blicken. Sein typischer Ausdruck war jedoch der eines strengen, ernsten Mannes, dessen mutiger Geist mit eiserner Energie dem schwachen Körper stets neue Arbeitsstunden abzuringen weiß, der mit seinen Gedanken bei seiner Arbeit weilt und der nur momentan von seinem Schreibtisch abgerufen ist." So charakterisiert Zda Cairati (Deck- name: Jodokus Perger) den Meister. Die schöne Heimat gab dem Künstler unvergeßliche Erinnerun- gen; gerade dann hat er, als schlichter Sohn der Berge, die schönsten Eingebungen, wenn er sie besingt. Wie das Rheintal in lieblicher Innigkeit zwischen Bergriesen eingebettet ist, so erscheint uns Rhein- bergers Musik in mildem, sonnigem Licht, die sich aber auch zur Großartigkeit steigern kann. Die Mozartverehrung Rheinbergers wurzelte nicht nur in seinem Wesen, in den ersten musikalischen Ein- drücken und der Schulung, sondern auch in der vielfachen Gleich- artigkeit der Landschaften von Salzburg und Vaduz. Wie der damalige Lehrer von Schaan, Sebastian Pöhly, den älteren Schwestern Josephs Unterricht im Singen und Eitarrenspiel gab, bemerkte er bald das überragende Musiktalent des Knaben. Diesen unterrichtete der Lehrer nun in Klavierspiel und Musik- theorie, und Joseph machte solche Fortschritte, daß seine Vaduzer im Jahre 1846 von ihrem siebenjährigen Organisten eine dreistimmige Messe zu hören bekamen. Der Ruhm des Wunderkindes verbreitete sich in der ganzen Umgebung, aber Joseph war schon damals allem Lobe abgeneigt. „Man konnte ihn schwer dazu bewegen, vorzuspie- len, und kamen Leute, um den .Rentmeisterspepi' zu sehen, so war er sicher nicht zu finden, sondern versteckte sich im hohen Gezweige einer schattigen Buche so lange, bis er die Besucher das Haus wieder verlassen sah." Bei aller Munterkeit zeigte der lernbegierige Knabe schon frühzeitig einen Ernst, den man bei Kindern selten findet.
        

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