— 233 — hl. Luzius in Chur, welche damals die Kathedrale war, vergrößert und ein Priestcrhaus daneben erbaut habe. St. Valentinian ist auch in dieser Kirche begraben worden. Als man im Jahre 1851 gelegentlich einer Kirchcnrestauration iu jener St. Luziuskirche Grabungen machte, fand man den gut erhaltenen Grabstein des hl. Bischoss mit der Inschrift, die ihm sein Nachfolger Paulinus setzte. Also eine bischöfliche Kirche zur Ehre des hl. Luzius, die uni das Jahr 540 vergrößert werden mußte, deren erste Er- bauung mindestens ins 5. Jahrhundert füllt! In dieser Kirche sind auch die sterblichen Ucbcrreste des hl. Luzius verehrt worden. Im Jahre 770 erbaute Bischof Tello die neue Kathedrale. Bis zum Jahre 807 waren viele Bischöse von Chur auch königliche Statthalter über Rütien. Als aber Karl der Große im genannten Jahre die weltliche Gewalt über Rütien einem weltlichen Herrn übertrug, fielen bald darauf zwei Grasen mit ihren Gesellen über die geistlichen Stiste her und beraubten sie. So raubten sie auch den Leib des hl. Luzius aus der Kirche zu Chur. Der Bischof Viktor II. klagte deshalb im Jahre 821 beim Kaiser Ludwig. Es sei, sagte er, „nicht einmal der hochheilige Leib des Bekenners und Apostels Luzius verschont geblieben." Also man hatte zur Zeit Karls des Großen in Chur den Leib des hl. Luzius, des Apostels von Chur. Also muß man diesen hl. Leib schon Jahrhunderte vorher verehrt haben, sonst Hütte man ihn damals nicht haben können. Denn „hochheilige Leiber", wie Bischof Viktor schrieb, die man auf die Altäre setzt und hoch in Ehren hat, liest man nicht von der Straße auf; für die will man volle Sicherheit haben. Das ist aber nirgends so sehr der Fall als bei einem Heiligen, dessen Ueberrcste an der Stütte seiner einstigen Wirksamkeit und seines Todes verehrt werden. Da dars zwischen Wirken, Tvd und Verehrung "kein Glied der Kette vermißt werden. Also wieder ein Zeugnis für die nrnlte Tradition. Es ist nach allem kein. Zweifel, daß auch das Fest des hl. Lu- zius schon in den frühesten' christlichen Jahrhunderten in Rütien begangen worden ist. Wir finden dieses Fest in den zwei ältesten Kalendcirien, die aus unserer Gegend noch vorhanden sind, er- wähnt. 
Sie sind um das Jahr 850 geschrieben worden und befin- den fich in der Kantonsbibliothek zu Zürich und in der Stifts- bibliothek zu St. Gallen. Sie erwähnen auf 
den 3. Dezember als den Todestag, das Fest des hl. Luzius. In einem alten Buche aus dem 8. oder 9. Jahrhundert in der Stiftsbibliothek zu St. Gallen ist eine Predigt enthalten auf dieses Fest; es ist darin ausdrücklich auf die jährliche Wiederkehr des Festes hingewiesen. Diese Predigt enthält die ganze rätische Ueberlieferung über St. Luzius. Auch die Silva Martis, d. i. die Luziensteig, ist erwähnt.
        

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