Nachdem sein Vater in den Ruhestand getreten war, verließ dieser die bisher innegehabte Dienstwohnung, Josefs Geburts- haus, und bewohnte von da ab mit seiner Familie das eigene im Orte weiter einwärts stehende Haus Nr. 19. Da ver- brachte dann Rheinberger vor seiner Verheiratung gewöhnlich ganz oder teilweise -seine Sommerferien, und, so lernte ich ihn 1858 persönlich kennen. An das Elternhaus grenzte ein größerer Baumgarten. Hier saß er bei günstigem Wetter gern auf einer hölzernen Bank im Schatten eines riesigen, alternden Birnbaumes, und blickte hinaus in die herrliche Gebirgswelt. Manchmal konnte ich ihm da Gesellschaft leisten, wobei nicht selten auch über musikalische Angelegenheiten gesprochen wurde. Aus dies hier näher einzugehen, muß "ich mir mit Rücksicht auf den mir ge- statteten Umfang' dieser Arbeit versagen. An schönen Nachmittagen ging Josef öfters in Gesell- schaft feines früheren Privatlehrers, Hofkaplan Fetz, hinauf zum „Schloß",' wo der köstliche „Vaduzer", gewonnen aus dem fürstlichen Rebgelände, znm erquickenden Genusse einlud, und von wo aus man einen überraschend schönen Rundblick genießt in das liebliche Rheintal, sowie auf dessen Bergriesen, deren Häupter nicht selten im Sommer noch zeitweilig die winterliche Schneekappe tragen. Obwohl männlicher Ernst sein Hauptcharakterzug war, so konnte Rheinberger doch in unseren Abendgesellschaften da oben, je nach Veranlassung, mit sprudelndem Humor der unge- trübtesten Heiterkeit sich hingeben. In späteren Jahren setzte er mit seiner Frau die Besuche in der Hemmt fort. Bei einem solchen schrieb der Meister ins Fremdenbuch auf der Schloßwirtschaft am 26. September 1873 solgendes Gedicht: „Ins alte Schloß zu Liechtenstein Zog ich, ein müder Wand'rcr, ein Nach weiter Reise Plagen. Da perlt' ins Glas der kühle Wein — Zum Erker sah die Sonn' herein, Ich fühlt' ein groß Behagen!
        

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