— 179 — Rheinberger arbeitete nicht nur nngemein viel, sondern mich sehr rasch; seine Zeit war streug eingeteilt; jede Stunde hatte ihre Arbeit; keme Stunde giug ungenützt vorüber; sein Leben war überhaupt ein Leben nach der Uhr. Daraus erklärt es sich, daß er so vieles zu leisten vermochte. Doch mag er dabei an seine Arbeitskrast öfters zu hohe Anforderungen ge- stellt, besonders im vorgerückten Alter sich zu wenig geschont haben, woraus sich seine nervöse Reizbarkeit, worüber er sich mir gegenüber schon im Jahre 1859 beklagte und sie auf Ueber- arbeitung zurückführte, erklären, läßt, und die auch mit an feinem Lebensmark nagte. )̂ Auf sämtlichen Gebieten der musikalischen Komposition schuf Rheinberger Kunstwerke, hauptsächlich süßend auf seinen zu Vorbildern gewählten Meistern Sebastian Bach, Mozart, Beethoven, Mendelssohn uud Schubert; besonders Bach, dessen strengen Stil er sich vollkommen aneignete, war sein Ideal. Seine Musikwerke sind nicht für die große Masse geschrieben, sind daher nicht populär — im gewöhnlichen Sinne — geworden, stehen auch den meisten Dilettantenmusikern sern. Der modernen Musik, früher vielfach Zukunfts- musik genannt, anfänglich dnrch Wagner nnd Liszt vertreten, stand Rheinberger grundsätzlich fremd gegenüber und ist auf diesem Standpunkte bis zu seinem Lebensende geblieben, ohne aber seine Schüler je durch ein Wort gegen diese ihm un- sympathische musikalische Richtung zn beeinflussen; es hätte dies seinem edlen Sinn und Charakter widersprochen. Er wollte die Individualität seiuer Schüler nicht antasten. Möchte dieses Vorgehen überall Nachahmung finden! Diesen Standpunkt zur modernen Musik mußte er einnehmen und festhalten, sonst wäre er nicht der geblieben, der er sein wollte und war: der Vertreter der Klassizität. Auf alle Gebiete, der Musik erstreckte sich Rheinbergers litterarische Tätigkeit. Er schrieb, Klavierstücke, Streichquar- tette, Orchesterparticn, Chorwerke, Opern, Lieder, Männerchöre, i) Seine Nichte, Fräulein Olga Rheinberger, welche lange Zeit bei ihm in München verweilte, sagte mir zwar, er habe regelmäßig für Komposition . nur abends von S—7 Uhr gearbeitet. Sein Schreibtisch befindet sich noch bei seinen Verwandten im „roten Haus" zu Vaduz.
        

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