— 54 - ein Genuß war solch ein Gedankenaustausch mit dem Prinzen! Daß das nicht rein persönlicher 
Eindruck ist, sondern eine Köst- liche Erfahrung aller Freunde und Bekannten des Prinzen, da- für zeugen die vielen teilnehmenden Briefe, die an die Familie aus Anlaß des Heimganges unseres Prinzen gekommen sind, Wie ein einziges, starkes Echo Klingt aus allen entgegen, daß die Unterhaltung mit ihm ebensosehr eine seltene Höhe geistiger Kultur, wie Zauber des Gemütes vereinte. — Schon früher habe ich von perspektivischem Denken und Urteilen des Prinzen ge- sprochen. Der Vergleich dürfte stimmen, nicht allein in Bezug aus das Schauen in die Ferne und Weite, sondern auch, was die Klarheit und Schärfe betrifft. So Kann ich mich noch, wie heute, eines Gefpräches über Einsteins Relativitäts-Theorie entsinnen, anknüpfend an eine Broschüre von Pater Wulf über diese An- schauung. Da war es erstaunlich, wie der Prinz das puvctum salisns Knapp, Klar und plastisch wiederzugeben vermochte. Nach dem Tode feines Vaters, des Fürsten Alfred Liechten- stein im Jahre 1907, fiel dem Prinzen als ältestem Sohn das Majorat Hollenegg und Riegersburg zu. Das war ein ernster Schritt in sein Leben: zuerst und vor allem wegen der großen Wertschätzung und tiefen Anhänglichkeit, die er seinen Eltern weihte. Wie fein und genau wußte er die Klarheit, Reife und Zielsicherheit des politischen Denkens und Urteilens, sowie die Weite und Güte des Herzens dieses lebendigen, leibhaftigen „pAtsr kÄinilikL" in seinem Vater zu schildern! Ost und gerne sprach er von ihm! — Dann war dem Prinzen der Antritt des Majorats und Uebernahme aller damit verbundenen Geschäfte , und Sorgen wie eine fühlbare Belastung. Ihm lag mehr der Zug zum Großen und Weiten, zur Erkenntnis von Wahrheit und Schönheit, ein ausgesprochener ästhetischer Sinn — darin ähnelte er so sehr seinem Onkel, dem regierenden Fürsten Johannes, mit dem ihn übrigens auch sonst eine gewisse Geistesverwandschaft
        

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