- 39 - chung dem Katholizismus angehörig war — das Testament des Fürsten Hartmann I. vom Jahre 1672 schließt jedes Glied des Hauses, das sich von der Katholischen Religion abwendet, von der Erbfolge aus — sie war ihm mehr als eine Stütze des Autori- täts-GedcmKens, die den Kern der Habsburgischen Staatsidee bil- dete und im österreichischen Hochadel den stärksten Schirmer fand, ihm, der in der tiefen Gläubigkeit seiner Familie erzogen wurde, war die Religion eine Herzenssache, deren Ausstrahlungen sich in seinen verschiedensten Wirkungsgebieten zeigten. Gewissen- haft erfüllte er die religiösen Pflichten, zwei Tage vor seinem Hinscheiden verlangte er aus eigenem Antriebe nach den Gnaden- mitteln der Kirche. Es mag ein erschütternder Augenblick ge- wesen sein, als der greise Fürst, die tastende Hand des nahen Todes fühlend, gemeinsam mit dem Priester die erhabenen Ster- begebete der heiligen Kirche 
betete: ?roiiei8osi-o, suima ekristi- ans, c!s lwe munclo... Sein Lieblingsgebet war der hohe Gruß von der Menschwerdung des Heilandes „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft" — war es Zufall, war es Fügung? — beim Klänge der Ave-Glocke ist er gestorben. Auf sein Sterben sah das der Antike fremde Bild der Madonna mit dem göttlichen Kinde. Die ergreifende Tragik im Leben Michelangelos war der Kampf zwischen der griechischen und gotischen Seele, der mit dem inneren Zusammenbruch des Titanen endete. Die ausgeglichene Seele des Fürsten Kannte diese Spannung nicht. Er lauschte den Klängen der griechischen Harmonie, aber über die Form stellte er den Geist, seine ganze Lebensauffassung war gotisch, war christlich durch und durch und die glänzende Bestätigung, daß eine innige Verbindung zwischen Vernunft und Glaube die Kul- tur eines Menschenlebens auf das Herrlichste entfalten Kann.
        

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