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- IV. Theodor Haecker nimmt in seiner Essaysammlung „Christentum und Kultur", die als eines der geistreichsten und meistgenannten Bücher der Gegenwart gilt, zum Problem des modernen Lebens Stellung und bezeichnet als einziges Element der Verbindung, abgesehen von den niederen Leidenschaften der Genuß- und Ge- winnsucht, sowie der Herrschsucht, die sich heute fast fessellos ent- falten, 
zwischen sich hassenden Völkern und Klassen die Lehre vom Leben, wobei er allerdings alles ablehnt, was nur Nachäsfung einer bedeutenden Wendung in der europäischen Geistesgeschichte ist. Vielmehr verlangt er die Einstellung auf die einzelnen großen Philosophen, Dichter, Künstler und Schriftsteller, die zwar eine einheitliche Kulturaufsassung 
aus sich heraus nicht fest begründen Können, wenn 
sie sich nicht auf dem Boden der Volksgemeinschaft treffen. Das 
Genie ist der Gipfel des natürlichen Lebens, das Heilige das Ziel des religiöfen Lebens, betont Haecker, aber ein bis ins Letzte wirkender Stil des natürlichen und religiös-Kirch- lichen Lebens Kann nur aus der Substanz des Volkes selbst hervorgehen. Ein Weg dazu ist die Popularisierung der Kunst. Der geistvolle Bischof Paul von Keppler macht darauf aufmerk- sam, daß es lediglich Selbsttäuschung sei, wenn eine Zeit oder Kulturepoche so hoch zu stehen glaube, daß sie der Kunst ent- behren Könne, die Abweisuug des bildenden Einflusses der Kunst müsse als Zeichen einer niedrigen Bildungsstufe, eines materia- listischen, ungeistigen Sinnes angesehen werden. Die Kunst muß ins Volk dringen, sie darf nicht bloß das Reservat einer Kultur- aristokratie sein, denn sie ist ein Werkzeug, wenn auch nicht das erste und ausschließliche, zur moralischen Erziehung der Massen. Von dieser hohen Auffassung geleitet ist Seiner Durchlaucht dem Fürsten nicht nnr die Vervollkommnung und der Ausbau der eigenen Sammlungen am Herzen gelegen, sondern im opfer- willigstem Mäzenatentum, wie die Gegenwart Kaum von einem zweiten ähnlichen zu erzählen weiß, hat er die verschiedenen
        

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