- 124 - waren ihrer Niederlassung günstig. Die Walliser sollten dienen zur Gewinnung wirtschaftlichen Neulands durch Urbarmachung und zur Schaffung einer ortsständigen Bevölkerung an wichtigen Verkehrs- straßen. Darum wurden ihnen bis dahin spärlich bewohnte und an Pässen gelegene Gebiete angewiesen. Die Ansiedlungen fanden in der Regel in oberen Talstufen oder auf Höhen statt, die offenbar zuvor wenig oder nicht bewohnt waren, und wo nur eine Bevölke- rung, die sich aus Alpenbetrieb in solcher Lage verstand und den langen Winter nicht scheute, ihr Auskommen fand und aushielt. Ein weiterer Grund der willigen Aufnahme, vielleicht sogar der Einladung durch die Landesherren im Gebiete der Bündner Herren und der Herren von Werdenberg und Montfort war der, dadurch neue Streitkräfte, Kriegshilfe zu erhalten, indem alle waffen- fähigen Walliser zum Kriegsdienst für die neuen Landesherren ver- pflichtet wurden. In jener Zeit der fortwährenden Fehden unter den kleinen Dynasten dieser Gegend war dies nicht ohne Wert. Damals standen sich zwei Verbindungen einander gegenüber: die Werden- berger und Vazer gegen die Montforter und den Bischof von Chur. Daher der Bischof mit dem von Wallis und dem Abt von Disentis ein Schutzbündnis schloß und später auch mit einigen welt- lichen Herren aus dem Wallis. Der Abt von Disentis war Grund- herr des Arserntales, zwischen Furkavaß und Oberalppaß. Was die Zeit der Einwanderung betrifft, kann man nur sagen, daß sie im 13. Jahrhundert also zwischen 1200 und 1300 stattgefunden hat. Sie hat nicht überallhin im gleichen Jahre ge- meinsam stattgefunden, sie verteilte sich auf einen Zeitraum von ca. 50—60 Iahreu. Die ersten Ankömmlinge werden anderen gerufen haben, wenn sie Boden genug und Lebensunterhalt für noch viele andere gefunden hatten. Soviel ist gewiß und aus den vorhandenen Urkunden klar er- sichtlich, daß die Walliser lange vor der Ausstellung eines Lehen- briefes am betreffenden Orte Lehen inne hatten. Die älteste Walser- anlage in Nätien ist die im hintern Rheinwalde. Sie erfolgte um 1250. Der älteste noch vorhandene Lehenbrief ist im Jahre 1277 ge- schrieben worden. Der Freiherr 
Walter V. von Vaz hat ihn aus- gestellt zu Gunsten der eingewanderten Walliser im Rhein wald (Graubünden). Dieses weit abgelegene Hochtal liegt am obersten Hinterrhein zwischen dem Splügen und Bernardin - Paß. Dem
        

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