- 11 - von Oesterreich und der Herzoge von SteiermarK im Besitze wich- tiger Landesämter. Die bedeutendste Erscheinung des steirischen Hauses und eine der interessantesten des Mittelalters überhaupt ist Ulrich von Liechtenstein (etwa 1200—1275), der tresfliche Minne- sänger und merkwürdigste Landmarschall, den die grüne Steier- marK je besessen. „Kaum einer hatte sich so behaglich die wirk- liche Welt zu einem ritterlichen Rosengarten umgeträumt, der mit seidener Schnur und bunten Speeren abgegrenzt war, als Ulrich von Liechtenstein", sagt Gustav Freytag in den „Bildern aus deutscher Vergangenheit". „Er hatte sein Sommerleben «er- stochen und verjüngen; auch nachdem er seine vornehme Herrin wegen schnöder Behandlung, die sie ihm zugeteilt, verließ, hatte er eine andere gesunden, die gefälliger war, und er besang ihren Mund und weißen Leib als Sachverständiger, während er bei seiner Hausfrau saß und seine Kinder in Zucht unterrichtete." Ganz erfüllt vom schwärmerischen, poetischen Geist des Ritter- tums, ein Phantast und Abenteurer, einem überschwenglichen Frauenkult ergeben, hat er die Geschichte seines Lebens und Liebens in den beiden, auch Kulturhistorisch hochbedeutenden Büchern „Vrowendienst" und „frowen puoch" mit einer seltenen Offenheit geschildert. Ihren Höhepunkt erreichte die steirische Linie unter dem Sohne Ulrichs, Otto II., der sich in den Zügen Ottokars von Böhmen gegen die heidnischen Preußen und in den Kämpfen zwischen Ottokar und Rudolf von Habsburg her- vortat und als Landeshauptmann der SteiermarK das Land in jenen zerfahrenen Zeiten mit Kluger und energischer Hand regierte. In der bekannten, aus der ersten Hälfte des 14. Jahr- hunderts stammenden „Steirischen Reimchronik", der berühmte- sten Quelle deutscher Geschichte älterer Zeit, versaßt von Ottokar von Horneck, einem Dienstmann Ottos von Liechtenstein, ist seinem Klugen, gerechten und tapferen Wirken ein bleibendes Denkmal gesetzt.
        

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