- 63 angehengten Schellen mit vorausgehenden Trommeln und Pfeifen im Markt herum gezogen. Die fünfte Tagreise ging nach Barak in. Auf diesem 23. Sept. Weg, von Iagodna aus etwa eine Meile, mußte man über einen Fluß genannt Morava, welcher wohl nicht gar so klein ist, da man sonst gewöhnlich in Schiffen mit Roß und Wagen überfahren muß; aber weil dies Jahr so ein trockener Sommer gewesen ist, haben wir mit unseren Kutschen wohl hindurch fahren können. Bei diesem Fluß sollen sich beide Landschaften Serbien und Bulgarien scheiden, wie mcms gewöhnlich dafür hält. Ich muß auch das von Serbien melden, daß wir in diesem Land keinen Tropfen guten Wein getrunken haben, sondern es sind die Weine alle rot, rauh uud sauer. Barakin ist ein schlechtes Dorf, hat aber eine schöne Karawanserei. Sie hat auf beiden Seiten Nauchfänge oder Kamine und bisweilen Nebenkammern, wo sich vorbeireisende Leute zur Winterszeit aufhalten müssen und dort kochen. Sonst für gewöhnlich ist eine türkische Karawanserei nichts anders als ein großer Roß-- stall, wo 100 und mehr Pferde unterzubringen sind, und ist auch nur zu diesem Zwecke erbaut. Die Leute behelfen sich wie sie können und mögen. Die Türken geben mehr Acht auf die Pferde als auf sich selbst. Zu Barakin habe ich einen Türken gesehen, der von Aeber- lingen am Bodensce gebürtig ist, vor 30 Iahren bei Ofen ge- fangen wurde und zum Türken geworden ist. Dessen wollte ich darum gedenken, weil ich selbst gesehen daß dieser Mann sein Deutsch beinahe ganz vergessen hat. Ich hätte es früher nicht für möglich gehalten, daß einem, der doch zu seinen Iahren gekommen,.seine angeborne Muttersprache sollte so ganz abhanden kommen können. In Belgrad haben wir auch ein Weib an- getroffen, ein Wienerkind von Geburt, das noch weniger deutsch verstand als jener Mann. Sie sagte, sie habe die deutsche Sprache ganz verloren und gab dennoch zu verstehen, wie sie zu Zeiten, als Kerr Lazarus von Schwendi Toggai eingenommen, gefangen wurde. Ihr Vater war ein Katschier (in der Leib- garde) bei Kaiser Ferdinand gewesen. Beide Personen meldeten, es wäre besser in Deutschland zu sein.
        

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