IV. Die weiße Frau. ^bekanntlich hat die Sage mehreren adeligen Käufern eine sogenannte „weiße Frau" zugeteilt, d. h, eine Frau, die nach ihrem Tode in weißem Gewände erscheint, wenn der Familie ein wichtiges Ereignis, besonders ein Todesfall bevorsteht. Eine solche weiße Frau hat nun auch das fürstliche Haus Liechtenstein. Es ist die sagenumwobene Frau Bertha, die Gemahlin eines Johann v. Liechtenstein-Nikolsburg. Sie war die Tochter des Oberstburggrafen Ulrich v. Rofenberg und der Katharina v. Wartenberg. Im Jahre 1449 heiratete sie den genannten Johann und hatte nur eine Tochter Elisabeth. Aus den von ihr noch vorhandenen Briefen zu schließen, gab es in der Ehe bisweilen Mißstimmungen. Sie hielt sich bisweilen längere Zeit bei ihrer Familie auf, was den Gemahl ärgerte. Nach dem Tode des- selben (1474) kehrte sie zum väterlichen Schloß nach Neuhaus zurück und lebte dort bei ihrem Bruder Heinrich, beschäftigt mit Musik und der Erziehung mehrerer Waisen aus ihrer Familie. Bei der Restau- ration zweier ihrer Burgen erschien sie täglich in der weißen Witwen- tracht bei den Arbeitern, weshalb sie von diesen „die weiße Frau" genannt wurde. Nach Vollendung dieser Bauten gab sie den Unter- tanen und Arbeitern ein köstliches Mahl und stiftete jährlich ein solches auf drei Schlössern am Gründonnerstag. Dieses Mahl, bei dem sich oft 10 000 Hungrige einfanden, wurde später in Geld ver- wandelt und die Zinsen zur Heilung kranker Untertanen verwendet. Bertha starb 1476 und wurde in der Klosterkirche zu den Schotten in Wien begraben. Bald nach ihrem Tode verbreitete sich die Sage, die als Wohltäterin von ihren Untertanen beweinte „weiße Frau" erscheine vor jedem wichtigen Ereignisse ihres Stammes auf den Schlössern, die ihr einst gehörten.
        

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