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- Aber auch in Liechtenstein sind die Kelten seßhaft gewesen. Das bezeugt ganz sicher der 
Name Lenclern, wahrscheinlich auch Lscne, Irenen, Lenaan, vielleicht 
auch Iriesen (vergl. IVisanna in Tirol 
und ?ontrssina in 
Graubünden), Zamina (vergl. Kamins bei Nagaz), IVIäls (maZ-ia?). Es 
ließen sich vielleicht noch manche Liech- tensteiner Namen hier anführen, doch bedürfen diese noch einer näheren Anrersuchung, was nicht iu den Nahmen dieser kleinen Arbeit gehört. Ebensalls keltisch ist unser 
Oertlichkeitsname öalms, in der 
Westschweiz Laums das soviel wie „Höhlung" bedeutet. Von Gattungsnamen lebt in einzelnen Gemeinden Liechtensteins noch das keltische 
Wort benns weiter, doch 
dürste sich auch bei den Gattungsnamen noch das oder jenes Wort 
als keltisch erweisen, öenna findet sich weit verbreitet; der ursprüngliche 
Begriff ist „Korb, Korbwagen, Korbschlittcn." Bei uns wird es gebraucht sür eiue besondere Art von Schubkarren. Dieses Wort bietet uns ein schönes Beispiel von Bedeutungswandel: Im Norditalienischen 
heißt bsnna Wagenkorb, im 
Piemontesischen benna- Hütte; im Engadinischen ist benns Mistschlitten; 
französisch banne bedeutet „Wagenkorb"; waadtländisch bena- Bienenkorb. 
Am zu beleuchten, welchen Amfang der Wandel der Bedeutung eines Wortes nehmen kann, folge hier die Geschichte unseres Wortes „brav". Seine ursprüngliche Form und Bedeutung 
ist barbaros- fremd, ungeschlacht, ungebildet, roh. Diese Bedeutung hatte auch noch das 
lateinische bsrbsrus. Im Ver- laufe der Jahrhunderte machte es nun folgenden 
Weg; los In6io8 brabos heißen im Spanischen die wilden Indianer; das Wort hat also noch die Bedeutung von 
„wild". l̂In toro brsbo (bravo) ist ein recht wilder Stier, der zu den Stierkämpfen besonders geeignet, tüchtig ist. Hier ist also schon der Fortschritt der Bedeutung von „wild„ zur Bedeutung von „geeignet, tüchtig". And diese Bedeu- tung, übertragen auf Menschen, 
findet sich im 
italienischen bravo. Im 
französischen brave haben wir die Bedeutung von „tapfer, beherzt", aber auch von „rechtschaffen bieder". Die Bedeutung des deutschen Wortes „brav" in strengmoralischem Sinne kennen wir ja alle. Im Wandel der Zeiten 
hat sich also die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes in gutem Sinne gerade ins Gegenteil gekehrt. Solche Bei- spiele von Bedeutungswandel sind geeignet, uns im Erklären von Orts- und Flurnamen recht vorsichtig zu machen. Wir können also nicht ohne weiteres , von der Bedeutung eines lateinischen oder roma-
        

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