— 27 — alte Mittwoch auf dem Schloß die hl. Messe lesen. Dafür erhielt er 5 fl. Dem Pfarrer v. Stöcklern sind diese 5 fl. abgekündet worden, nachdem das Schloß abgebrochen war. Der Zehent zu Balzers habe früher der Schaaner Hofkaplanei gehört und sei znr Balzner Pfrund käuflich gekommen, so erzählte man. — Es sei uns gestattet, hier jene interessanten Notizen einzuschalten, die dieser ausgezeichnete Pfarrer in den Pfarrbüchern hinterlassen hat. „Der 22. Oktober 1795 war jener verhängnisvolle Tag, an welchem nachmittags nach 4 Ahr dnrch abscheuliche Sorglosigkeit der Leute eine Feuersbruust entstand, welche durch die Heftigkeit des Föhnsturmes so. gefördert wurde, daß in 7 Minuten über 30 Ge- bäude in Flammen standen, und aus dem Pfarrhofe, der am weitesten von dem Orte, wo es zu brennen angefangen hatte, ent- fernt war, füuf Personen durch Sprung aus deu Fenstern sich retten mußten. Ans der Kirche konnte durch den Pfarrer, welcher allein derselben zuHülfe eilte, nur der Speisekelch*) mit dem Aller- heiligsten, sowie die Monstranz**) nnd ein Kelch geflüchtet werden. Aeberdies konnte dieses vorliegende Buch (Tauf-, Sterbe- und Ehe- buch in einem Bande) mit zwei anderen Büchern (Iahrzeit- und Rechnungsbuch) sowie die Kapitalbriefe gerettet werden. Der Gottes- dienst mußte fortan teils in St. Peter> teils in Mariahilf gehalten werden. Menschenleben forderte das Element drei, nämlich eine Witwe namens Franziska Nigg und ihren Sohn Eusebius sowie ein Kuäblein des Andreas Wolfinger. Es entstand nuu eine Armut, Not und Elend im höchsten Grade. Die Bürger, durch das Unglück niedergedrückt, mühten sich ab, soviel sie konnten, um ihre Wohnungen wieder herzustellen. Lim Kirche und Pfrundhäuser kümmerten sie sich wenig. Zu all dem kamen noch das Kricgsgetümmel, die Verwü- stungen und Plünderungen der Franzosen, welche am 6. März 1799 bei Trübbach einbrachen, die Festnng Luziensteig erstürmten uud 19 Tage hindurch ganz nach Kriegsgebrauch bei uns hausten, nach- dem wir vorher von den besreuudeten Soldaten sehr viel gelitten hatten. Die Verwaltuug der Pfarrei war inzwischen außerordentlich schwierig wegen Mangel der kirchlichen Gewänder nnd von allem, was zum Gottesdienst gehört, wegen den Wohnungsverhältnissen ») Ein äußerst wertvolles Kunstwerk, Geschenk des Dr. theol. Ioh. Vpt. .hopp, Kanonikus am Kollegiatstift in Freising und Äofkatzla» in Vaduz. **) Wertvolles, altes gotisches Stück.
        

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