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lii. Die Seelsorge bis zum Untergang des Klosters. Es sind hier die Drangsale genannt, die der Landmann auszustehen hatte. Was er hatte, wurde ihm geraubt, die Früchte auf dem Felde mutwillig zerstört, und dies nicht von Feinden, sondern von der kai- serlichen Soldateska. Der Oberst zeigt allen seinen Soldaten, Offi- zieren und der Mannschaft, namens des Kaisers, des Herzogs von Friedland (Wallenstein) und des Generalleutnants Grafen von Co- lalto an, daß er das Klösterlein zu Bendern in seinen Schutz genom- men habe. Er befiehlt allen Soldaten, besonders allen Befehlshabern, Kommissarien, Quartiermeistern und Furieren, dasz sie das Klöster- lein in Bendern samt dessen zugehörigen Gebäuden und Gerechtig- keiten nicht allein ganz quartierfrei halten, sondern auch mit Durchzü- gen, Nachtlagern verschonen, die Einwohner mit eigenmächtiger Erak- tion, Eeldschatzung, Kontribution, noch anderen Kriegspressuren nicht beschweren, ihnen weder ihr Klein- noch Großvieh, Getreide, Vik- tualien, noch etwas anderes abnehmen oder entfremden, den lieben Früchten auf dem Feld und in den Weingärten einigen Schaden nicht zufügen, noch weniger des Gotteshauses angehörigen Leuten einige Tätlichkeiten ob den Hals zu ziehen noch zu erweisen, sondern viel- mehr in allen Unfallheiten verteidigen und beschirmen sollen. In wel- chem allem sich ein Jeglicher dergestalt wird zu verhalten wissen, da- mit zu einiger Klage nicht Ursach gegeben werde bei Vermeidung ernstlich unnachsichtlicher Lebensstraf, womit die Übertreter nach Ge- stalt der Sachen angesehen werden sollen. Zu Urkund habe ich diesen Salvum Conductum eigenhändig unterschrieben und mein Jnsigel zu Ende vorstellen lassen." — Daß dieser Schutzbrief den Herren zu Bendern sehr zugute kam, ist begreislich. Dennoch gab es auch in Bendern Elend genug. Der Pfarrer schrieb unter dem 22. Oktober 1629: „Ich soll nicht unter- lassen des armseligen Standes unserer Gegend und Landschaft zu gedenken, welcher also beschaffen ist, daß seit Pfingsten her, da der Paß an der Steig von den Kaiserlichen eingenommen worden, hiesige Landschaft und Einwohner mit täglichen Durchzügen und Einquar- tierungen und Drangsalen, also beschwert worden, daß sie allerdings unter der Bürde erliegen müssen, vornehmlich die, welche an der Land- straße Hausen; denen sind die Häuser rein ausgeplündert worden. Zu- dem hat die leidige Seuche seit geraumer Zeit bei uns grassiert, so daß auch in unserer Pfarrei bei 60 Personen weggerafft worden, da-
        

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