36 III. Die Seelsorge bis zum Untergang des Klosters. ner) um 7 Uhr haben sie ihn aus seinem Gefängnis in den Schel- menturm geführt und ihn abermal von 7—11 Uhr fünfmal wieder aufgehängt, mit einem unsäglichen Stein bis an des Turmes Dach ausgezogen und darnach hinabfallen lassen, und ihn, der mit bloßem Hemd bekleidet war, mit einer Gelte kalten Wassers in solch großer Kälte überschüttet und an ihm gefrieren lassen und ihn so auf den bloßen kalten Estrich gelegt. Der anwesende Feldkircher Geistliche er- barmte sich seiner und weinte mit ihm, richtete ihn auf und legte ihm seinen Rock an. Aber alle diese Folterqualen konnten dem Gemarter- ten kein Geständnis einer Schuld abpressen. Gott hat ihm Gnade bewiesen, so daß der Henker, den die von Zürich hinauf geschickt ha- ben, sich darab groß verwunderte und sprach, er habe schon viele go- züchtigi und es sei ihm ein so unmenschliches Volk niemals vorgekom- men als diese Bauern, er habe auch keinen so standhaften Mann wie diesen Abt jemals kennen gelernt. Da man ihn um 11 Uhr hat wol- len sichren in sein Gefängnis aus dem Schelmenturm, ist er ganz schwarz gewesen und sind ihm die Augen vor dem Kopf herausge- standen. Händ und Füß hat man ihm mit Tüchern verbunden und ihn mit großer Mühe fortgeschleift. Viele Herren und gute Freunde haben für 2000 fl verbürgen wollen, daß sie ihn wiederum vor ein unparteiisches Gericht stellen sollten. Das haben die von Chur nicht angenommen, sondern kurz ab- geschlagen und daraus am anderen Tag ohne jegliches Geständnis, ohne alle Ursache und Sünde, außer daß er den Glauben der hl. christlichen Kirche nicht verfolgt und von der hl. Messe nicht abstehen wollte, ihn zum Tode verurteilt, dem Henker übergeben und ihn an die gewöhnliche Richtstätte bringen wollen, wo man die Verbrecher enthauptet. Da ist er so krank und schwach gewesen, daß er nicht hinauf gehen und ihnen unter den Händen sterben wollte; also haben sie ihn an der Straße enthauptet. Und auf dem Weg hinaus hat er den Leuten Lebwohl" gesagt und sie um Gotteswillen gebeten, daß sie nicht vom alten hl. Glauben abfallen und die Abgefallenen sollen sich wieder bekehren, seine große Unschuld dargetan und gesagt, er wolle sterben als ein guter Christ und Biedermann." Die Mutter des Abtes, eine fromme Frau, hielt sich damals in Feldkirch aus. Die Zürcher Regierung hatte ihren Boten nach Chur geschickt, der dem aufgehetzten Volk zurief, nur weiter auf diesem Wege fortzufahren, weder Freundschaft, noch Leib, noch Gut zu scho-
        

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