V. Geschichte des Benderer Patronatrechtes. 103 Dieses Verhältnis habe nicht auf den protestantischen Fürsten von Oranien übergehen können, also auch von diesem nicht auf Baiern und Osterreich. Das habe der Bischof von Chur richtig und oft genug erklärt. Man solle also seiner Forderung beipflichten und das Pa- tronat dem Seminar abtreten. — Insofern waren seine Deduktionen richtig; aber wenn er das Ärar nun damit der Baupflicht entledigen zu können glaubte, irrte er sich; denn diese Pflicht lastete auf dem Besitz des ehemaligen Klosters, den das Ärar in Händen hatte. Es geht nicht an, die Rechte behalten und die Pflichten abschütteln zu wollen. Dennoch folgte diesem juridischen Gutachten, die Erklärung der österreichischen Regierung auf dem Fusze, das Patronairecht dem Seminar und die Baupflicht der Gemeinde überlassen zu wollen. Dieses Vorgehen war veranlaßt durch eine 1259 fl kostende Re- paratur des Stalldaches, das ein Sturm arg beschädigt hatte. Das Finanz-Ministerium hatte am 15. Juli 1357 an die Finanz-Land es- Direktion geschrieben, es werde das Patronatrecht von Bendern, aus- genommen die Güter im österreichischen Gebiet und der Pfarr- hof, der auf österreichischem Boden stehe, an das Seminar abgetre- ten. Die Finanz-Landes-Direktion fragte nun beim Ministerium an, ob es sich nicht geirrt habe. Fast alle Güter des ehemaligen Stiftes St. Luzi liegen auf liechtensteinischem Boden und ebenso auch der Pfarrhof, der bei der Kirche stehe. Die Herren in Wien waren also offenbar schlecht unterrichtet. Man ließ ihnen aber auch keine Ruhe. Schon anno 1358 schrieb die fürstliche Regierung an das Rent- amt, der Dachstuhl der Kirche drohe einzustürzen, so daß der Auf- enthalt in derselben lebensgefährlich sei. Und die Gemeinden Eschen, Gamprin und Ruggell verlangten vom Ärar den entsprechenden Beitrag an die Kosten der Entwäs- serung. Eschen verlangte 1641 fl und die anderen Gemeinden zu- sammen 546 fl. Das Ärar verweigerte alles. Es wollte an die Kirche nichts leisten und für die Entsumpsung nichts zahlen. Dagegen wurde nun beschlossen, sämtliche in Liechtenstein liegenden Realitäten zu ver- lausen. Die Käufer hatten alle Verpflichtungen des Ärars zu über- nehmen. Es fanden nun Schätzungen statt. Die erste Schätzung lautete: Wert der Güter bisher 12,579 fl, Kapitalwert des Zehnten 6426 fl, Ehrschatz 175 fl, Werterhöhung der Grundstücke durch die Entsumpfung 8506 fl. — Summe: 27741 fl.
        

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