- 48 — Man wird nicht irren, wenn man von den 230 Kirchen, welche das Bistum Chur im 9. Jahrhundert hatte, auch eine nach Triesen versetzt und behauptet, daß auf der Höhe, wo jetzt die St. Mamerten-Kapelle steht, damals die Pfarrkirche stand. Die Friedhöfe wurden damals immer um die Pfarrkirchen angelegt. Nun hat aber die Ausgrabung von 1901 dargethan, daß die ganze Fläche südlich und westlich von der jetzigen Kapelle einst Friedhof war. Auch eine Totengruft mit eingefallenem Gewölbe ist blos- gelegt worden. Es wurde auch die Ringmauer der Burg, die in einer Dicke von bereits 1 Meter fast den ganzen ebenen Platz umschloß, aufgedeckt und es zeigte sich, daß diese auf der Südseite über Gräbern erbaut war. Menschliche Skelete, das Gesicht dem Osten zugewandt, lagen unter dem Fundament der Mauer. Der Friedho f und somit auch die Kirche daselbst sind also älter als die Burg. Die Erbauung der Burg erfolgte spätestens um 1200 und es steht so wohl nichts im Wege, daß wir die Er- bauung der ersten Kirche auf jenem schönen und sicheren Platze in eine sehr frühe Zeit zurückversetzen. Alsdann die Burg erbaut ward, scheint der Friedhof gegen Süden ausgedehnt und die oberste Lage des jetzigen Weinberges dazu verwendet worden zu sein. Die Burg war nun die Hüterin der Kirche, die von der Schirmmauer mit der Burg umfriedet wurde. Unter Karl dem Großen i. I. 794 wurde kirchlicherseits verordnet, daß, wenn ein Gutsherr auf seinem Gute oder bei seiner Burg eine Kapelle erbaute, er auch mit Genehmigung des Bischofs den Geistlichen für diese Kapelle selbst wählen könne. So vererbte sich dann dieses Recht zugleich mit dem Grundbesitz oder der Burg auf den Nachfolger. Auch nachdem solche Burg- kapellen in Pfarrkirchen umgewandelt worden, blieb dieses Ver- hältnis bestehen, da dann nach der Auffassung des herrschenden Feudalsystems der Grund- oder Burgherr berechtigt war, den Pfarrer zu belehnen, d. h. einem Geistlichen die Pfarrpfründe als Lehen zu übertragen, Das dürfte wohl auch der Ursprung des Patronats- rechtes der Triesner Pfarrpsründe gewesen sein. Im 14. Jahrhundert war es in den Händen des Grafen von Werdenberg (Heiligenberg). Die Werdenberger waren die älteste Linie der Montforter, welche um 1180 nach Churrätien kamen als Erben
        

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