— 229 — an die Gemeinden Triesen und Balzers den strengen Befehl, die beiden Geächteten innert Monatsfrist auszutreiben. Wenn dieses und die Bezahlung der Schulden erfolge, „dann ivohl und gut", widrigenfalls werden die Vertreter der genannten Gemeinden (Weibel und Geschworne) und der amtierende Landammann haft- bar gemacht und geächtet werden (!). Durch solche Drohungen machte sich das Landgericht lächerlich. Im Jahre 1700 betrug das steuerbare Vermögen von Triesen 72,950 fl.,.das von Triesenberg 110,700 fl. (Balzers 108,225 fl.). Haushaltungen gab es damals in Triesen 122, im Triesenberg 120. Im Jahre 1584, also 120 Jahre früher, zählte Triesen nur 58 stcuerzahleudc Bürger; also ein Zuwachs von mehr als 100 "/o! Triesenberg hingegen hatte schon anno 1584 113 steuerzahlende Bürger. Diese Gemeinde weift also in diesen 120 Jahren einen sehr geringen Bevölkerungszuwachs auf, was wohl auf eine fort- währende, wenn auch unvermerkte Herabwanderung in die Thal- gemeinden, besonders nach Triesen, schließen läßt. .Trotz alles Elends horten doch die Streitigkeiten unter den Gemeinden nicht auf. Im Jahre 1698 klagten Sevelen und Wartau wieder gegen Triesen, weil es mit Hülfe der übrigen Gemeinden der Grafschaft während des ncblichten Winters ein über 100 Klafter langes, 24 Fuß breites Wuhr in krummer Linie angelegt hatte, wodurch.die Seveler ihr Gebiet gefährdet glaubten. Die Triesner sollen nach Ansicht der Schweizer die Absicht gehabt haben, ihre Aue auf die rechte Rheinseile herüber zu wuhren. Die Sache kam vor den Fürstabt von Kempten, als den kaiserlichen Admini- strator (nach Absetzung des Grafen). Aber die Triesner hatten nicht Lust, was sie mit Mühe erbaut, wieder niederzureißen. Die Seveler und Wartauer besorgten dies Geschäft. Die Triesner aber hinderten sie mit Gewalt und schössen auf sie. Der schweizerische Geschichtschreiber Tschudi erzählt, daß die „Landsknechte" einen aus Sevelen erschossen und einen aus Wartau gefährlich verwundet haben. Diese „Landsknechte" waren österreichisches Militär, das damals des spanischen Erbfolgekrieges wegen hier in den Dörfern lag. — Der Rhein machte dem Streite ein Ende, indem er das Jahr darauf mächtig anschwoll und das Wuhr zum Teil mit sich fortnahm. Am 4. November 1701 kam dann zwischen dem Grafen
        

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