— 8 — Ich hatte zuerst nur die Absicht, eine Liste von mundartlichen Wörtern zusammenzustellen und zwar hauptsächlich von solchen, die entweder von den gleichbedeutenden Ausdrücken der Schrift-^ spräche ganz verschieden sind oder, obwohl gleichen Namens, doch eine erheblich abweichende Form zeigen. Es war aber da nicht so leicht, eine sckmrfe Linie zu ziehen und ich habe schließlich manches Wort aufgenommen, das von seinem schriftoeutscheu Bruder nicht bedeutend verschieden ist. Erst später kam mir der Gedanke, eine kurze Grammatik unserer Mundart beizufügen, und dies habe ich auch getan, wenigstens soweit Deklination und Konjugation in Betracht kommen. Ich habe also hauptsächlich nur Material ge^ sammelt und vorderhand keinen Versuch gemacht, den gesammelten Stoff sprachwissenschaftlich zn sichten und zu bearbeiten. Wenn aber ein anderer das tun will, dürfte ihm vielleicht das von mir gesammelte Material von einigem Nutzen sein- Wie allbekannt, ist die walserische Mundart der Triesnerberger ganz verschieden von der alemannischen Mundart der übrigen Landes- teile Liechtensteins, und mußte ich die Sprache der Triesnerberger hier ganz außer acht lassen, da ich leider nie Gelegenheit hatte, diese höchst interessante Muudart näher kennen zu lernen. Ich will hier nur im Vorbeigehen bemerken, daß z. B- im Walserischen, gerade so wie im Gotischen und Angelsächsischen, das Eigenschafts» wort auch iu prädikativer Stellung Geschlechtsendung hat; als ob man sagen würde „der Vater ist guter", „die Mutter ist gute", „das Kind ist gutes". Möge ein anderer, der gut walserisch versteht, in nicht zu ferner Zukunft diese überaus interessante Mundart zum Gegenstande einer Abhandlung machen! Was nun das Alemannische der Talgemeinden Liechtensteins anbetrifft, so finden wir nicht nur, daß der Oberländer verschieden vom Eschnerberger spricht, sondern es finden sich oft Unterschiede der Aussprache beinahe zwischen den einzelnen Gemeinden und Ortschaften. Ich habe nun in dieser Arbeit vorderhand zwischen drei verschiedenen Gruppen unterschieden, nämlich-. 1. Oberländisch, abgekürzt „od", gesprochen in Planken, Schcian, Mühleholz, Vaduz, Trieseu, Balzers und Mäls. 2. Eschnerbergerisch, abgekürzt ^s", gesprochen m Eschen, Nendeln, Schaanwald und Mauren.
        

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