— 119 — Es war ein glücklicher Gedanke, bei Gelegenheit der Jahr- hundertfeier die genannte Sammlung zu veranstalten. Sie enthält 25 ein-, zwei-, drei- und vierstimmige Lieder für Knaben-, Ge- mischten- und Männerchor mit und ohne Klavierbegleitung. Die Liedertexte, 
die sich auf den Landesfürsten und das Heimatland beziehen, sind mit einer einzigen Ausnahme von inländischen Dichtern verfaßt; als Komponisten sind vertreten unser berühmter Landsmann Professor von Rheinberger sei., einige inländische Lehrer und mehrere auswärtige Tonkünstler. Es 
dürfte sich empfehlen, den musikalischen Teil der Sammlung einer gründlichen Überprüfung zu unterziehen. Waidorf Marianne (Matthey Maria): Die Hexe von Triesen- berg. Eine Erzählung aus Liechtensteins dunklen Tagen. Mit 9 Illustrationen nach Entwürfen von P. Balzer und von M. Annen. Zürich. Verlag: Art. Institut Orell Füßli. In diesem historischen Roman wird geschildert, wie ein un- schuldiges Mädchen infolge Eifersucht einer rachsüchtigen Neben- buhlerin zum Opfer des entsetzlichen Hexenwahnes wurde. Der Aufbau der Handlung ist tadellos, die Darstellung frisch und unterhaltend, der Stil schön und der sittliche Inhalt einwandfrei. Verfehlt ist der Schlußakt, indem das Mädchen dem Feuertode überliefert wird. Abgesehen davon, daß dieser Schluß unästhetisch ist, widerspricht er der geschichtlichen Wahrheit, weil eine verur- teilte Jungfrau, sobald sie Braut wurde, begnadigt ward. Daß die Verfasserin doch mit Land und Leuten und deren Gewohn- heiten zu wenig vertraut war, lassen manche Ausdrücke erkennen, die hierzulande durchaus nicht bodenständig sind. So der immer sich wiederholende Ausdruck „Bauer" und „Bäuerin" für Mann und Weib. Daß im 17. Jahrhundert, in welchem die Handlung spielt, in der Landschaft Vaduz schon von „Liechtensteinischen" gesprochen wird, ist ein Anachronismus und daß znr Weihnachtszeit das Vieh in der Alpe auf die Weide geht und ein Unwetter mit Donner und Blitz sich 
erhebt, ist ebenfalls ausgeschlossen. Ein Wagen 
wird sich damals im Gebiete von Triesenberg kaum gefunden haben. Die Vermischung von Aberglauben und Geschichte dürfte unkundigen Lesern gefährlich sein. Die 
an sich guten Illustrationen sind zum Teil noch grausiger als der Inhalt der Erzählung. — Auf der Sonnenseite des Lebens. Mit Einschaltbildern von M. Annen. Verlagsanstalt Benziger u. Co. A.-G. Einsiedeln. 1909.
        

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