— 128 — Weigerung des Geleites gedroht, wenn er nicht über den Abt zu Gericht sitze. Der Kardinal lehnte es dennoch ab, selbst Richter zu sein, bestellte aber dazu den Abt Volker von Wettingen. Dieser verhörte zu Zürich drei klagende Konventualen und zwei Verteidiger des Abtes, dann auf dem zweiten Gerichtstag zu Dießenhofen wieder andere. Das Resultat der Untersuchung war, daß der Abt in seinen Funktionen eingestellt wurde. Er protestierte gegen diesen Sprnch und weigerte sich, ihm Folge zu leisten. Um sich vor der anrückenden Macht des Königs zu schützen, zog er sich in seine Stadt Wyl zurück, wo er sich zu einer energischen Ver- teidigung rüstete. Wenn seine Feinde von ihm aussagten, er habe in dieser Zeit mit seinen Kriegern vom Raube gelebt, so ist das schon deshalb sehr unglaubwürdig, weil er ja in seinem eigenen Gebiete war und die Stadt Wyl wohl imstande war, ihn und die Seinigen einige Zeit zu unterhalten. Kuchimeister berichtet auch nur, der Abt und der Freiherr v. Grießenberg hätten soviel Kloster- güter an sich gezogen, als sie konnten, da der König verboten hatte, dem 
Abte zu dienen. Jn jener Zeit hatte König Rudolf zum größten Ärger des Abtes auf dem rechten Ufer der Thur, gerade Wyl gegenüber, auf dem Habsburgischen Gebiete zwar, aber hart an der Grenze des Stiftsgebietes von St. Gallen Burg und Stadt Schwarzen- bach erbaut. Den Bürgern der neuen Stadt hatte er dem Abt zum Trotz große Freiheiten gewährt, so, daß viele Untertanen des Abtes, Adelige und Nichtadelige, nach Schwarzenbach zogen, wo der Adel reichlich Burglehen erhielt. Nun gab es selbstver- ständlich Händel und Reibereien zwischen denen von Wyl und denen von Schwarzenbach. Eines Tages trat, als der Abt Wil- helm zu Wyl am Tische saß, ein Hirt, am Kopf blutend, vor ihn und klagte, die von Schwarzenbach hätten ihn blutig geschlagen und den Wylern viel Vieh von der Weide fort in ihre Stadt getrieben. Alsogleich ward in Wyl Sturm geläutet und ein An- griff auf Schwarzenbach unternommen; Burg und . Städtchen wurden ausgeraubt und angezündet und die übergetretenen Bürger wurden nach Wyl zurückgeführt. Die Strafe dafür sollte aber nicht lange ausbleiben! Unter Anführung des Ulrich von Ram- schwag — des „Schirmvogts" des Stiftes! — rückte der königliche Heerbann vor Wyl und belagerte diese Stadt 5 Wochen lang.
        

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