— 125 - worden war. Es galt also vorerst, diese Schulden abzutragen; denn sie waren unter harten Bedingungen aufgenommen worden. Mit Einwillignng des Vogteiverwalters Ramschwag nahm er nun bei den Gotteshausleuten zu Wil und anderwärts 600 Mark Silber auf — eine Art Zwangsanleihe — wofür er die Renten und Gülten des Klosters versetzte mit dem Versprechen, in 4 Jahren die Schuld, also pro Jahr 150 Mk. S. abzutragen, was er aber nur das erste Jahr zu tun vermochte. Er löste eine Menge verpfändeter Güter nach und nach zurück, nahm Lehengüter in eigene Ver- waltung, bereinigte schwebende Besitzunsicherheiten und zahlte nach und nach Schulden ab. Watt berichtet, er habe auch die Kirchenzierden und Gebäulichkeiten restaurieren lassen. Er selbst schränkte sich ein. Um sich die Auslagen eines fürstlichen Hof- haltes zu ersparen, hielt er sich einige Zeit auf seiner Burg Martinstobel, später ferne von St. Gallen bei Verwandten in Italien und Frankreich auf, wo er wie eiu Privatmann lebte. Er führte aber auch bei den Konventherren Beschränkungen ein uud beschnitt ihr Einkommen. Dagegen forderte er sie auf, die hl. Weihen zu empfangen und sich mehr den Ordenszwecken zu widmen. Er selbst hatte offenbar die höheren Weihen empfangen; das wurde für die Abtweihe vorausgesetzt. Wenn dann seine Mönche ihn zu großer Strenge und wegen Vernachlässigung des Gottesdienstes anklagten, konnte sich letztere Klage wohl nur auf die Pontifikalien beziehen, die er während seiner Abwesenheit nicht ausüben konnte. Für den gewöhnlichen Gottesdienst waren ja Priester da. Ebenso hatte er einen eigenen Hofkaplan, der oft in den Urkunden als Zeuge erscheint. Noch zu Weihnachten 1281 reiste der Abt in Begleitung seiner bedeutendsten Dienstmannen zum Reichstag nach Augsburg. Daselbst erschienen auch zwei seiner Brüder, die Grafen Rudolf ^von Feldkirch) und Hugo (von Tettnang). Der dritte Bruder aber, Ulrich (zu Bregenz), erschien nicht, denn er hielt es mit dem Grafen von Württemberg, der damals mit dem König im Kriege lag. Des Abtes Bestreben ging dahin, sich vom Habsburger möglichst frei zu machen, auch das Lehenverhältnis soviel nur möglich zu löse» und sich beim König in keine Verbindlichkeiten einzulassen. Vor allem wollte er mit den Kriegen, die den König fortwährend beschäftigten, schon aus Rücksicht auf die Armut seines
        

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