— 120 — Besonders schlimm sah es da aus, wo der König das Vogter-- recht ausübte. Die Vögte und ihre Untervvgte regierten mehr in Klostersachen als die Äbte und Prälaten und nützten das Eigentum der Stifte für ihre Interessen aus. Der Propst vom Kloster Marchtal schrieb damals an die Kanoniker seines Stiftes: „Danken wir Gott, daß wir noch das gemeinsame Leben haben. Daß wir auf dem rechten Wege sind, beweiset das abschreckende Beispiel der königlichen Stifte mit ihrer Auflösung der Kommunität, Vernachlässigung des Gottesdienstes und geringen Anzahl von Insassen.")' Das traf anch beim Stift St. Gallen zu. Das gemeinsame Leben der Konventherren hatte aufgehört. Es waren nur noch wenige Mitglieder yorhanden, als Graf Wilhelm Abt wurde. Im Jahre 1293 waren außer dem Abt noch 8 Konventualcn dort: Dekan, Schatzmeister, ferner zwei Priester und zwei Subdiakone. Alle waren vom Adel, denn Bürgerliche wurden nicht aufgenommen. Das Kloster war, wie viele andere, zu einer Versorgungsanstalt für den Adel geworden. Fürsten und Grafen suchten ihre Söhne in den Klöstern unterzubringen; Herzoge und Könige nötigten dem Kloster St. Gallen auch ganz unwürdige und ungebildete Männer als Äbte auf, die alles eher als Ordensmänner waren, wenn sie nur für die politische» Zwecke der Herren zu brauchen waren. Jeder Konventnale hatte sein Einkommen von bestimmten Höfen und Gütern des Klosters. Die wenigsten waren Priester; gerade die einflußreichsten Stellen waren mit Männern besetzt, die keine, -oder nur die niederen Weihen hatten. Sie waren zumteil mehr Ritter nnd Soldaten als Ordensleute, was allerdings auch dem Umstände zu verdanken war, daß in jener gewalttätigen Zeit die Ordensleute oft genug sich selbst und ihr Eigentum mit den Waffen in der Hand verteidigen mußten. Damals gab es manche ausgezeichnete Prälaten, die zur Friedenszeit mit Rnhm zu Hanse den Krummstab, aber zu Kriegszeiten mit demselben Ruhme auf dem Schlachtfelde das Schwert führten, nnd würden die Kirchen- fürsten nicht auch weltliche Macht gehabt haben, so würden in jener Zeit ihre geistlichen Stifte in Ruinen gefallen sein. So hatte auch das altehrwürdige Kloster St. Gallen den Wandel des Schicksals erfahren. Der schwache Abt Walter v. Trauchburg, ') Diöccsanarchiv von Schwaben, 1902 S. 13V.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.