— 40 — wenn auch behutsam verlangt und gerungen, jetzt schien die Zeit gekommen, das, Ideal zu verwirklichen. In Wien und Berlin und auch an andern Orten war es stürmisch hergegangen und wurde den Völkern eine freiere Ver- fassung zugesichert. Der Fürst hatte eigenhändig meinem Vater geschrieben, er werde dem Lande alles das ebenfalls zugestehen, was Österreich seinen Ländern verleihe, — er möge damit das Volk beruhigen. Das gelang aber nicht ganz. Unrnhige Elemente, die in der Schweiz republikanische Ideen eingesvgen hatten, wollten auch iu Liechtenstein ähnliche Verhältnisse herbeiführen und hatten zum Teil die Oberhand gewonnen. Die Besonneren 
hielten sich zurück, freuten sich aber vielleicht im Stillen der Fortschrittsbewegung. Glücklicherweise kam es zu keinen blntigen Exzessen, nur an einem Opfer wollte eine Rotte Exaltados ihr Mütchen kühlen. Der Kanzlist Langer, der sich gelegentlich durch barsches Wesen bei Durchführung amtlicher Aufträge unliebsam gemacht hatte, wurde von einer Rotte, der besonders Vaduzer und Balzner augehörten, mit Trommel und Pfeifen an die Landesgrenze bei Galmist abgeführt. Weiter geschah ihm nichts, und der Rotten- führer brachte meinem Vater die eigenhändige Bestätigung Langer's mit, „daß ihm nichts geschehen sei." Daß dann gelegentlich auch Drohungen gegen meinen Vater ausgestoßen wurden „man werde ihn in einen Strohstuhl legen, uud die fremden Bettler (damit waren die Beamten gemeint) zum Lande hinausjagen", — die Grundbücher verbrennen u. d. g. war bei gewissen Elementen nicht zu verwundern. Leider hatte aber doch das Vorgehen gegen Langer und die Drohungen übel gewirkt; man wollte sich keinen Pöbeleien aus- setzen, und so nahmen der Waldbereiter Groß und der Kontingents- kommandant Oberlieutnant Bloudek Urlaub und verließen das Land. Auch der Amtsschreiber Müller, ein Mährer, wollte sich nicht halten lassen, so war denn mein Vater mit dem Rentmeister und Grundbuchführer allein noch im Amt und blieb es bis im Jahre 1851. Diese Jahre waren für meinen Vater eine schwere und auch verhängnisvolle Zeit. Auf ihm lasteten abgesehen von der Admini-
        

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