— 167 
- Vor allen nahm sich die Stadt Bern ihres Erbbürgers an. Durch wiederholte dringende Bitten und Leistung von Garantie brachte sie es im Juli bei der Tagsatzung dazu, daß der Gefangene von Luzern uach Beru übersiedeln durfte. Eine eidgenössische Unter- suchungskommissiou, die das Verhalten des Freiherr» beim Aus- bruch des Kriegs zu prüfen hatte, gelangte zn einem für Ludwig gar ungünstigen Ergebnis. Da bot sich der Tagsatzung unver- sehens die Gelegenheit, mit diesem Gefangenen eiu gutes politisches Geschäft zu machen. In der letzten Phase des Kriegs war nämlich der reiche Mötteli vou Sulzberg oberhalb Rorschach, Landmann zu Appenzell, in die Hände der Feinde gefallen. Es erfolgte nun ein Abkommen, laut welchem man beide Gefangenen im November 1499 laufen ließ. Als Freiherr Ludwig von. Brandis im Spätherbst des Jahres 1499 in seine verwüsteten und ausgeplünderten Herrschaften zurück- kehrte, da fand er, daß die Untertauen in der Grafschaft Vaduz ihres Eides, 
deu sie während des Krieges den Eidgenosse,: ge- schworen, noch nicht entbunden waren. Auf seine Bitten entließ die Tagsatznng am 3. Dezember die Vaduzer ihres Eides. Um diese Zeit gaben sodann die Graubündner auch den Freiherni Sigmund von Brandis frei, der unverweilt in seine Herrschaft Maienfeld zurückkehrte. Nuu ging es schnell zu Eude mit dem Geschlechte derer von Brandis. Ludwig erlebte den Ausbau des ausgebrannten Schlosses Vaduz nicht mehr nud starb kinderlos zu Anfang des 
Jahres 1507. Seine Besitzungen fielen, an den Bruder Sigmund II. Dieser stand seit mehreren Jahren in Unterhandlung mit König Maxi- milian über den Verkauf der Herrschaft Maienfeld an das Haus Österreich. Bereits hatte er vom König bedeutende Geldsummen darauf erhalten. Er starb jedoch, bevor er letztwillig über sein Erbe verfügt hatte, ebenfalls kinderlos, 
am 18. November 1507 und wurde iu der St. Florins-Kapelle zu Vaduz beigesetzt. Oben im Schlosse hängt jetzt sein Grabschild mit wohlerhaltenem Wappen und mit der Umschrift - Anno ^IV VII ig.r vf sant Martinns achtenden tag starb der edel und wohlgeporen her Sigmund, der lest fryher von Brandiß, her zuo Vadutz, dem got guad. Er war indessen bloß der letzte Freiherr von Brandis weltlichen Standes. Noch lebte sein geistlicher Bruder Johannes,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.