— 163 Der bedeutendste unter diesen Brüdern und wohl auch die sym- pathischeste Figur in der langen Reihe der Freiherren von Brandis war Ortlieb, Bischof von Chur von 1458 bis zu seinem Tod im Jahre 1491. Es gelang dem tüchtigen Manne, das von Schulden geplagte und durch innere Wirren entkräftete Hochstift zu hebeu und die bischöflichen Rechte gegenüber Osterreich uud den eigenen, nach Unabhängigkeit strebenden Untertanen mit ziemlichem Erfolg zu wahren. Seinen Brüdern nnd Neffen stand er als freundlicher Berater nnd Helfer zur Seite, ohne indessen seine hohe kirchliche Stellung durch Nepotismus zu beflecken. Von dem regen und geläuterten.Knustsinn dieses Bischofs zeugen u. a. ein Sakraments- häuschen, ein Hochaltar und vor allem sein eigener Sarkophag, der noch heute eine Zierde der bischöfliche» Kathedrale iu Chur bildet. Die schöne Platte des Sarkophags zeigt das Bild des Bischofs iu Halbrelief, eine wohlbeleibte Gestalt mit freundlichem, klugem Angesicht. Von den zahlreichen Brüdern des Bischofs Ortlieb 
hatten sich bloß Freiherr Ulrich verheiratet und eine legitime Nachkommenschaft gezeugt. Aus seiner Ehe mit der Witwe des Hans von Castelbareo (Kastelwart) aus dem Südtirol erhielt er eiue Tochter und sechs Söhne. Unter den Söhnen dieser 8. und letzten Generation spielten bloß Ludwig, Herr von Vaduz, und Sigmund II., Herr von Maien selb, eine politische Rolle. Schelleuberg nnd Blumenegg blieben im gemeinschaftlichen Besitz. Beide Freiherren standen in einem engen Freundschaftsverhältnis zum Hanse Öster- reich, namentlich zu Maximilian, dem Sohn nnd Nachfolger Kaiser Friedrichs III. Als sich nuu gegen Ende der Nennzigerjahre das Verhältnis der Eidgenossenschaft zu König Maximilian dermaßen verschlechterte, daß ein Austrag des Konflikts bloß noch durch Waffengewalt möglich war, 
gestaltete sich wieder, wie einst im Alten Zürichkrieg, die politische Situation der Herren von Brandis recht heikel. Sie waren Bürger von Bern und Freunde Österreichs; ihr Gebiet lag mitten zwischen eidgenössischen und österreichischen Landen. Um da glücklich durchzukommen, hätten die beiden letzten Herren von Vaduz und Maienfeld die diplomatische Einsicht uud Begabung ihres Großvaters besitzen müssen, die ihnen jedoch gänzlich sehlte. Schon im Dezember 1498 begannen im Bündner Münstertal
        

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