— 161 — Zreiherrn, noch rechtzeitig die bernerischeu Besitzungen zu ver- äußern, umsomehr, als zahlungsfähige Käufer, vor allem die Stadt Bern selbst, ja stets zur Hand waren. Die Anfänge dieser großen -Liquidation des westlichen Besitzes reichen in das erste Regierungs- jahr Wolfharts V. zurück. Er begann mit dem Verkaus der ein- träglichen Bischofsqnarten in Burgundeu, die einst seinem Vater um einen Spottpreis 
von Bischof Heinrich von Constanz überlassen .worden waren. Er verkaufte Stück um Stück von diesen bischöf- lichen Zehntvierteln und machte dabei ein vorzügliches Geschüft. Nun kam das Weißenburger Erbe an die Reihe. Nachdem Wvlfhart einen Scheinverkanf, durch den die Berner erschreckt worden waren, rückgängig gemacht hatte, verkaufte er 1439 deu -ganzen oberländischen Besitz an die Stadt Bern zn ewigem Eigen. Die merkwürdigsten Transaktionen wurden mit der Herrschaft Brandis vorgenommen. 1441 verpfändete sie der Freiherr an Ludwig von Dießbach, 1447 an die Stadt Bern nnd verkaufte sie endlich 1455 mit Zustimmung von Schultheiß, Rat und Bürgern von Bern um 4150 rheinische Gnlden an Kaspar von Scharnachtal, Bürger von Bern. Nach vielfachen Handänderungen kam 1607 die Herrschaft Brandis in den Besitz der Stadt Bern. Das schone Schloß Brandis, fortan der Sitz eines bcrnischen -VvgteS, ging 1798 in Flammen auf. Mit der Veräußerung der Herrschaft Brandis hatte Wolf- Hart V. die Liquidation des westlichen Besitzes durchgeführt. Er und sein Hans waren fortan auf die neuen Herrschaften im Osten angewiesen. 
Es ist begreiflich, daß das Volk dieses beim Adel ûngewöhnliche Aufgeben der alten Heimat auf seine Weise zu -erklären suchte und andere als bloß politische nnd merkantile Beweggründe annahm. Die Sage schreibt das Wegziehen der Herren vou Brandis .ans ihrer Stammburg und das frühe Erlöschen des Geschlechts -einem Fluche zu, den ein Familienvater, der durch die Härte eines Herren von Brandis zur Verzweiflung gebracht wurde, über dieses Geschlecht aussprach- Als gerade Tauwetter einbrach uud die Wasser anschwollen, fiel es einem Herrn von Brandis ein, 'durch eiue 
Jagd sich zu belustigen, uud er bot seine Leute dazu -aus, darunter den Herrschaftsmüller, dem seine Frau gerade ein Knäblein geboren hatte. Dem Müllerhaus drohte vom Wasser
        

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