— 156 — Gleich erschien Propst Mangold im Oberland, nahm Besitz vom Erbe nnd nannte sich Herrn von Weißenburg. Bald geriet er in Streit mit seinen Untertanen. Voll Ingrimm erhoben sich die Simmentaler gegen den brutalen nenen Herrn, erschlugen seine Amtslcute und schlössen ihn und seine Kriegsgesellen m der Feste Wimmis ein. Aber gleich erfolgte eine militärische Intervention der Stadt Bern. Der Urteilsspruch, den nun der Rat von Bern in dieser Sache fällte, ist so recht charakteristisch für die bernische Politik der damaligen Zeit. Die Herrenstadt, die selber über Land und Leute regierte, konnte eine solche Rebellion nicht ungeahndet vorübergehen lassen, schon des bösen Beispiels wegen. Also bekamen die armen Simmentaler durchaus Unrecht und mußten den Aufstand schwer büßen. Aber gleichzeitig stellte Bern den Freiherru ganz unter seine Vormundschaft, gab ihm eine Aufsichtskommission zur Seite, stellte die jährliche Steuerquote fest und ließ dem habgierigen Herrn nur soviel von dem jährlichen Steuererträgnis zukommen, als nicht von vornehereiu für die Verzinsung der auf dem Weißenburger Erbe lastenden Schulden aufgebraucht wurde. Einige Jahre später wurde der Freiherr wieder auf den frühern Schauplatz seiner Wirksamkeit, auf die Reichenau, zurück- gerufen. Am 11. November 1383 wühlte ihu der Convent seines Klosters einhellig zum Abte, und am 27. Jannar 1384 wurde er von neun Constanzer Domherren, die zum Gegenpapst Clemens VII. in Avignon hielten, gar noch ans den bischöflichen Stuhl von Constanz erhoben. Aber eine Minderheit von sechs Domherren hatt sich für den römisch gesinnten Nikolaus von Riesenburg ausgesprochen. Es hing nun alles von der Parteinahme der Constanzer Bürgerschaft ub. Diese erklärte sich nach kurzem Zaudern sür den Papst in Rom und verjagte den Bischof Mangold von Brandts- Doch das war nicht der Mann, eine Beute leichten Kaufes fahren zu lassen. In Marbach am Untersee sammelte er seine zahlreichen Anhänger- Er stellte sich an die Spitze einer beträchtlichen Streitmacht und war gerade im Begriffe, nach Constanz aufzubrechen, als er am 19. November 1385 plötzlich tot vom Pferde siel. Seine Freunde behaupteten, sicher mit Unrecht, er sei von der Gegenpartei vergiftet worden. Im Kirchenschatz des Klosters Reichenau findet sich noch der kunstvolle Abtsstab dieses sonderbaren Prälaten. Nach langen Verhandlungen und
        

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