Die Geschichte der Freiherren von Brandis bietet dem Hi- storiker insofern ein besonderes Interesse, als die Trager dieses ??amenS sich nach und nach i» verschiedenen, weit von einander entfernten Landesgegenden festsetzten und da als Landesherren oder als Inhaber höherer geistlicher Stellen eine nicht unbedeutende Rolle spielten. Ans kleinen Verhältnissen emporsteigend, erwarben sie durch eine erfolgreiche Heiratspolitik zu ihrem bescheidenen Hansbesitz im Emmental znerst das Weißenburger Erbe im Berner Oberland, später die Herrschaften Blumenegg, Schellenberg und Vaduz im Vorarlberg und im Liechtensteinischen und schließlich noch die einträgliche Herrschaft Maienfeld im Bündnerland. Da- neben beuteten sie nach Kräften die einflußreiche Stellung der Familienglieder geistlichen Standes in ihrem Hausinteresse aus und 
wußten sich auf solche Weise sinanziell stets über Wasser zn halten. Immer 
macht sich ein reger Familiensinn bemerkbar; im 'Gegensatz zn den Grafen von Kiburg-Burgdorf oder gar zn den Grasen von Werdenberg, mit denen sie so vielfach in Berührung kamen, hielten die Freiherren von Brandis unweigerlich zusammen; die zweihundertfünfzigjährige Geschichte der Dynastie zeigt uns kein einziges Beispiel eines Familienzerwürfnisses. Im übrigen bietet die Geschichte dieses schweizerischen Adelsgeschlechtes wenig erfreuliche Seiten- Sobald die historischen Quellen etwas reich- licher fließen und die einzelnen Persönlichkeiten genauer erkennen lassen, tritt uns ein hartes, selbstsüchtiges, in seinen Bestrebungen durch keinerlei moralische Bedenken gehemmtes Geschlecht entgegen, dessen weltliche und geistliche Vertreter meist keine anderen In- teressen, als die des Besitzes und der Verteidigung desselben kennen; kaum daß wir bei den zwei letzten Generationen auf ein- zelne sympathische Züge stoßen, die uns gewisse Glieder der Dy- nastie menschlich näher bringen. Der Name „Brandis", anfänglich häufig auch Braudes und Brandeis, ist wohl die verkleinerte Koseform Brandizo des . alt- hochdeutschen Personennamens Brando, von „prant", „braut",
        

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