GESCHICHTE DES LAIENRICHTERTUMS IN 
LIECHTENSTEIN / ALOIS OSPELT 
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BESCHRÄNKUNG DER VOLKSBETEILIGUNG 
AM GERICHTSWESEN IM 17. UND 18. JAHR 
HUNDERT 30 
Ab dem 17. Jahrhundert zog das herrschaftliche 
Oberamt die Gerichtsbarkeit zunehmend an sich. 
Die Gerichte der beiden Landschaften verloren an 
Bedeutung zugunsten der regelmässig abgehalte 
nen Verhörtage. 
Die Volksrechte am Gerichtswesen bildeten einen 
wichtigen Gegenstand der jahrelangen Auseinan 
dersetzungen der beiden Landschaften mit der Ho- 
henemsischen Landesherrschaft Ende des 17. Jahr 
hunderts. In den durch eine kaiserliche Kommission 
herbeigeführten Vergleichsübereinkommen von 
1684, 1688 und 1696 wurden die Rechte der Land 
schaften zur Wahl des Landammanns und zur Be 
setzung der Gerichte nach altem Herkommen und 
alter Gewohnheit bestätigt. Anlässlich der Huldi 
gungsakte beim Übergang der Landesherrschaft 
von den Grafen von Hohenems an die Fürsten von 
Liechtenstein (Schellenberg 1699, Vaduz 1712) 
knüpften die Gerichtsgemeinden die Leistung des 
Huldigungseides an die Erwartung, dass man sie bei 
ihren alten Rechten und Gewohnheiten verbleiben 
lasse. Bei der besonders feierlichen Huldigung der 
Untertanen beider Landschaften 1718 verwies ihr 
Sprecher auf die genannten Übereinkommen und 
umschrieb den Bestand an Volksrechten im Einzel 
nen. Er versicherte die neue fürstliche Obrigkeit der 
Treue und des Gehorsams der Untertanen, wenn sie 
diese in ihrem alten Rechtsbestand schütze. Dazu 
zählten wesentlich die geschilderte Gerichtsorgani 
sation und Beteiligung des Volkes an der Rechtspre 
chung. 31 
Mit der Erhebung der Grafschaft Vaduz und der 
Herrschaft Schellenberg zum unmittelbaren Reichs 
fürstentum Liechtenstein 1719 verloren die Bran- 
disischen Freiheiten ihre Wirkung. Die Fürsten wa 
ren nicht mehr Reichslehensnehmer, sondern Trä 
ger der vollen landesherrlichen Gewalt. Das hatte 
tief greifende Folgen für die Verfassung des Landes. 
In der folgenden Epoche wurden im Sinne des lan 
desfürstlichen Absolutismus schrittweise die alten 
Institutionen beseitigt und die Rechte des Volkes 
eingeschränkt. Schliesslich wurde mit der alten 
Rechtstradition gebrochen und die Landammann 
verfassung gänzlich aufgehoben. 
Die fürstliche Dienstinstruktion für die herr 
schaftlichen Beamten vom 10. April 1719 32 stellte 
die ganze Landesverwaltung auf eine neue Grundla 
ge. Betroffen war wesentlich auch das Gerichtswe 
sen. Die «Aufsicht über die hohe, niedere und forst 
liche Jurisdiktion» wurde dem Landvogt übertra 
gen, der wöchentlich wenigstens einmal in der 
Kanzlei einen Verhörtag halten, dazu den Verwalter 
und Landschreiber berufen und die Klagen der Un 
tertanen aufnehmen und behandeln sollte. «Nach 
dem die beiden Graf- und Herrschaften von der Rö 
mischen Kaiserlichen Majestät in einen Korpus zu 
sammengeschlagen, dero alte Namen gänzlich abo- 
liert und aufgehoben und herentgegen dieselbe mit 
der Ehre und Würde eines des heiligen Römischen 
Reichs Fürstentums geziert und begabt, demnach es 
sich nicht schicken will, dass inskünftig die Gerichte 
auf eine solch bäurische Manier besetzt und 
schimpflich versehen werden», heisst es in der In 
struktion. Deshalb sollte jedes Kirchspiel (Pfarrei) 
mit einer eigenen Obrigkeit versehen und das Fürs 
tentum in sechs Ämter 33 geteilt werden. Jedes sollte 
einen Amtmann, vier Richter und einen Gericht 
schreiber erhalten, «durch die alles Justiz-, Polizei- 
und Gemeindewesen verrichtet solle werden». 34 Die 
Amtmänner sollten dem Fürsten vom Oberamt «aus 
den ehrbarsten, vernünftigsten und womöglich 
30) Vgl. dazu: Kaiser; Hollaus; Ospelt; Ospelt, Verfassungsgeschichte; 
Ospelt, Landammannverfassung; Schädler, Rechtsgewohnheiten; 
Schädler, Huldigungsakte; Schamberger-Rogl, Malefizgericht; 
Schamberger-Rogl, Landsbrauch. 
31) Schädler, Huldigungsakte. 
32) LLA AM 4: Dienstinstruktion, Wien, 10. April 1719, Cap. I, § II. 
33) Die sechs Ämter waren «Liechtenstein (= Vaduz) mit Schaan und 
Planken», «Triesen samt Einwohnern am Triesenberg», «Balzers 
und Kleinmeis», «Bendern samt denen zu Gamprin, Schellenberg 
und Ruggell», Eschen und Mauren, «sämtliche mit ihren Markungen 
und Zugehörden». Sie entsprachen den damaligen sechs Pfarreien 
des Landes. (Ebenda, Cap. IV, § 2) 
34) Ebenda, Cap. IV, § 1.
        

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