Volltext: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein (2010) (109)

REZENSIONEN 
TRIESENBERGER WÖRTERSAMMLUNG 
227 
kalischer Hinsicht den Bäärger Dialekt prägen, die 
der spezielle Anlass zur Schaffung der Wörter 
sammlung waren und die für die Leserschaft von 
besonderem Interesse sind. Hierher gehören etwa 
schoonli <schonend>, stäupa <stieben> oder suppna 
<eine Suppe kochen) oder vertüent werschwende 
risch) oder dischgariera diskutieren) - allesamt 
Wörter, die für Manche gerade noch ohne Bedeu 
tungsangabe verständlich sein dürften. Schon 
schwieriger wird es aber bei Apazeener, welches 
<Erstklässlen bedeutet und eine Ableitung zu ABC 
ist, oder bei sälbander, welches <schwangen meint 
und dessen beide Wortteile selb(st) und ander zu 
sammen die Bedeutung <zu zweit) ergeben. Und wer 
weiss schon, dass Zwärischt <Durcheinander, Un 
ordnung) heisst, Mateeri <Eiten, Gschpoor <Vor- 
dach), Dürband <Durchschnitt) und chlufreess <hei- 
kel). Herbert Hilbes Wörtersammlung liefert zu 
Hauff banales Wortgut direkt neben Kostbarkeiten, 
die längst aus der Umgangssprache auch der aller 
meisten Triesenbergerinnen und Triesenberger ver 
schwunden sind. 
Eine auf Papier gebrachte Sammlung kann den 
Verlust der typischen lautlichen Merkmale, des bäu 
erlichen Wortschatzes und der örtlichen Ausdrucks 
weisen nicht aufhalten, sie kann aber als Museum 
dienen, aus welchem die interessierte Leserschaft 
mannigfache Eindrücke mitnimmt. Ein Museum 
von Mundartwörtern nennt Herbert Hübe deshalb 
seine rund 4000 Einträge umfassende Sammlung 
zum Triesenberger Dialekt. Der Autor legt speziell 
auch Wert auf die Unterscheidung von einem Wör 
terbuch im herkömmlichen Sinn. Ein wissenschaft 
licher Anspruch, so weist er in seinem Vorwort hin, 
bestehe nur begrenzt, denn die Gestaltung der Wort 
artikel sei pragmatisch und populär. 
Was Herbert Hübe damit auszudrücken versucht, 
zeigt das Dilemma, in welchem er sich als Verfasser 
befand. Auf der einen Seite sollte es ein Werk «für 
die Leute)) werden. Es sollte populär, das heisst 
leicht verständlich, lesbar und knapp sein. Auf der 
anderen Seite fühlte sich der Autor als ehemaliger 
Redaktor eines namenkundlichen Grossprojekts je 
doch auch einem gewissen wissenschaftlichen An 
spruch verpflichtet. Diesen versucht er auf pragma 
tische Art und Weise zu erfüllen. Dort, wo die Leser 
schaft in der Lage sein sollte, das Stichwort, seine 
Bedeutung und Verwendung ausreichend zu verste 
hen, verzichtet er auf wissenschaftlichen Ballast. 
Dort hingegen, wo sinnvoll und notwendig, sieht er 
sich veranlasst, den Worteinträgen verschiedene In 
formationen beizugeben, die über die Grundaus 
stattung hinausgehen. 
Zur Grundausstattung jedes Wortartikels gehört 
das eigentliche Stichwort (Lemma), welches fett ge 
schrieben ist. Ihm folgen grammatische Angaben. 
Bei Nomina sind es das Geschlecht sowie allfällige 
Mehrzahl- oder Verkleinerungsformen. Bei Verben 
wird in Klammer das Partizip Perfekt angegeben, 
zum Beispiel floggna (gfloggnat). Nach dem Lemma 
steht die Bedeutung des Wortes in einfachen Anfüh 
rungszeichen (<stark schneien, flocknem). Die 
Schreibweise der Wörter richtet sich nach der Dieth- 
Schrift, einem einfachen Regelwerk für Mund 
artschreibung, welches ohne Sonderzeichen aus 
kommt. 
Ergänzende Informationen, die fallweise vorhan 
den sind, sind insbesondere Angaben zur besonde 
ren, vom üblichen Betonungsmuster abweichenden 
Aussprache, Hinweise zur Wortherkunft aus einer 
älteren deutschen Sprachstufe oder aus einer 
Fremdsprache sowie gelegentliche grammatische 
Erläuterungen. 
Die Triesenberger Wörtersammlung kommt mit 
diesem populär-pragmatischen Ansatz ganz gut zu 
recht. Einträge wie beispielsweise daheimat <zu- 
hause) brauchen keinen Aussprachehinweis, da 
schriftsprachliches daheim analog ausgesprochen 
wird. Anders hingegen bei danundig detzthin), wel 
ches auf dem u betont wird und zu dem es keine hel 
fende Entsprechung in der Schriftsprache gibt. Hier 
gibt Herbert Hübe Anleitung mit einer in eckigen 
Klammer gesetzten Ausspracheform [danundig], 
die den Akzent hervorhebt. Analoges gilt bei Zabii 
<Spitzhacke der Holzhauer zum Hebeln und Ziehen 
von Baumstämmen), wo die Angabe [tsabi:] die Be 
tonung auf der zweiten Wortsilbe anzeigt und die 
Längung des betonten Vokals (durch einen Doppel 
punkt) markiert ist. Auch hier ist diese Angabe sehr 
sinnvoll, da es keine schriftsprachliche Entspre
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.