JUGEND UND AUSBILDUNG BEGINN DER POLITISCHEN LAUFBAHN Die Kindheit Gerards und seines jüngeren Bruders Anton war vom frühen Tod des Vaters Andreas über- schattet. Die starke Persönlichkeit der Mutter Karo- lina beeinflusste die Entwicklung Gerards erheb- lich. Die lange Wegstrecke zum Besuch der Primar- schule Eschen und Boten- und Versorgungsgänge ins Dorf waren für den sensiblen Buben eine weite- re Besonderheit, die ihn von Gleichaltrigen unter- schied. Es folgte der Eintritt in das Internat und Gymnasium Schwyz mit Matura im Jahre 1948. Nach der Reifeprüfung wollte er an der Technischen Hochschule Zürich Maschinenbau studieren und absolvierte in einem Genfer Industriebetrieb ein Praktikum. Aber schon 1949 begann er an der Uni- versität Zürich mit dem Studium der Rechtswissen- schaften und setzte nach dem Lizentiat 1953 seine Ausbildung in Paris und Freiburg im Breisgau fort. Das Jurastudium beendete er nach 1957 in Fribourg mit einer Dissertation zum Thema «Sicherungsbot und Amtsbefehl nach liechtensteinischem Recht». Zweifellos führten die Erfahrungen Gerard Batli- ners während der ersten Semester an der Universi- tät Zürich am 6. Januar 1951 zur Gründung der Liechtensteinischen Akademischen Gesellschaft, deren erster Präsident er wurde. Es war eine über- aus spannungsreiche Zeit, eine Epoche, die einen Hauch wie von Vorfrühling verbreitete und von be- deutenden Literaten, Philosophen und Theologen geformt wurde. Die Akademische Gesellschaft fand vor allem in Hans Urs von Balthasar (1915-1988) ihren Mentor. Schon während seiner Fribourger Zeit fiel Gerard Batliners Begabung auf, in der breiteren Öffentlich- keit wirksam zu sein. So wurde er 1953/54 Präsi- dent des Schweizerischen Renaissance-Verbandes, einer Vereinigung von Studenten und Akademikern, die sich einem christlichen Humanismus verpflich- tet fühlten. Der Renaissance-Verband pflegte Ver- bindungen zu ähnlichen katholischen Organisatio- nen in München, Innsbruck, Wien und Paris. 
Gerard Batliners erste Tätigkeit als Anwalt begann im Büro des ihm nahestehenden Juristen Rupert Ritter in Vaduz. Auch die Politik in Liechtenstein nahm den jungen Anwalt recht bald wahr. Schon 1958 wurde er Vizepräsident der Fortschrittlichen Bürgerpartei, dann Verwaltungsrat und Vizepräsi- dent der AHV/IV/FAK, 1960 Gemeinderat und Vize- vorsteher von Eschen. Engagiert bearbeitete er während seiner zweijährigen Amtszeit Reglemente zur Wassernutzung und Gebührenordnung der un- terländischen Wasserversorgung. Die Entwicklung Liechtensteins vom Agrar- zum Industriestaat erfor- derte überdies die Neuregelung des Bewirtschaf- tungs- und Pachtsystems von Gemeindeboden in seiner Heimatgemeinde. Nach zwei Jahren Arbeit auf kommunaler Ebene erfolgte der Ruf, das Amt des Chefs der Fürstlichen Regierung zu überneh- men. Alexander Frick (1910-1991) trat nach 17- jähriger Amtszeit 1962 aus gesundheitlichen Grün- den zurück. Am 16. Juli 1962 übernahm Gerard Bat- liner im Alter von 33 Jahren die Regierungsverant- wortung. REGIERUNGSCHEF Liechtenstein befand sich in den 1960er Jahren dank der industriellen Entwicklung und der zuneh- menden Bedeutung des Dienstleistungssektors in ei- ner rasanten Umstrukturierung. Die Entwicklung erforderte neue Konzepte zur qualitativen Verbesse- rung des Lebens in Liechtenstein. Dies betraf fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens, vorab in wirt- schaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen im weitesten Sinn des Begriffes wie Umwelt- und Land- schaftsschutz als auch Bildung und Schule. In die Regierungszeit Gerard Batliners fällt auch ein Auf- bruch der Aussenpolitik hin zu neuen Horizonten. Allen Vorkehrungen eignet die Erkenntnis, dass der Kleinstaat gerade in kulturellen und aussenpoliti- schen Bereichen eine weit über seine materiellen Möglichkeiten hinausreichende Chance besitzt, 4
        

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